Ärzte Zeitung online, 25.07.2011

Vorhofflimmern: Kardiologen bevorzugen Rhythmuskontrolle

LONDON (ob). Kardiologen favorisieren in der Behandlung bei Vorhofflimmern offenbar nach wie vor die Strategie der Rhythmuskontrolle - auch wenn diese Wahl, wie Daten eines großen Registers jetzt wieder bestätigen, im Vergleich zur Frequenzkontrolle keinen prognostischen Vorteil bietet.

Vorhofflimmern: Kardiologen bevorzugen Rhythmuskontrolle

Vorhofflimmern: die Rhythmuskontrolle ist für viele Ärzte Therapie der Wahl.

© saurer / imagebroker / imago

Eine internationale Forschergruppe um den Arrhythmie-Experten Professor John Camm aus London hat jetzt die finalen Daten aus dem prospektiven RECORD-AF-Register veröffentlicht (J Am Coll Cardiol. 2011; 58: 493).

Dieses vom Unternehmen Sanofi unterstützte Register ist vor dem Hintergrund randomisierter kontrollierter Studien wie AFFIRM initiiert worden, in denen die Rhythmuskontrolle mit Antiarrhythmika im Vergleich zur Frequenzkontrolle entgegen den Erwartungen keinen Vorteil bezüglich der Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse hatte,

Das RECORD-AF-Register sollte nun Aufschluss darüber geben, welchen Einfluss die Wahl der einen oder anderen Behandlungsstrategie im realen Praxisalltag auf die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen hat.

Weltweit sind an über 500 kardiologischen Zentren insgesamt 5604 Patienten mit erst kürzlich entdecktem paroxysmalem oder persistierendem Vorhofflimmern in das Register aufgenommen und ein Jahr lang nachbeobachtet worden.

Rhythmuskontrolle bei eher jüngeren Patienten

Die Entscheidung über den einzuschlagenden Behandlungsweg hatten die Ärzte nach klinischen Erwägungen selbst zu treffen. Die Mehrheit (55 Prozent) entschied sich für die Rhythmuskontrolle, während 45 Prozent die Frequenzkontrolle wählten.

Da keine Randomisierung erfolgte, unterschieden sich beide Patientengruppen erwartungsgemäß ein wenig.

Patienten, die eine rhythmuskontrollierende Therapie erhielten, waren eher jünger und hatten initial eine niedrigere Ruheherzfrequenz. In der Gruppe mit Frequenzkontrolle waren dagegen häufiger Patienten mit Herzinsuffizienz, Diabetes oder Erkrankungen der Herzklappen zu finden.

Nach einem Jahr ist dann der "therapeutische Erfolg" der jeweiligen Behandlungsstrategie beurteilt worden. Kriterien dafür waren: Bestehender Sinusrhythmus (bei Rhythmuskontrolle), Herzfrequenz unter 80 Schläge pro Minute im Falle eines bestehenden Vorhofflimmerns (bei Frequenzkontrolle), kein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis, kein Wechsel der Strategie.

Rhythmuskontrolle signifikant erfolgreicher

Aus heutiger Sicht erscheint allerdings die im Falle der Frequenzkontrolle als Erfolgsnachweis geforderte Frequenzsenkung als äußerst strikt.

Denn inzwischen hat die RACE-II-Studie gelehrt, dass auch eine weniger strikte Senkung der Herzfrequenz möglich ist, ohne dass die Patienten Nachteile in Kauf nehmen müssen.

Gemessen an den definierten Kriterien war jedenfalls die Rhythmuskontrolle die signifikant erfolgreichere Strategie. Ihre Erfolgsrate lag bei 60 Prozent, bedingt primär durch einen hohen Anteil (81 Prozent) an Patienten, die sich bei der Kontrolluntersuchung im Sinusrhythmus befanden.

Als Antiarrhythmika kamen in dieser Gruppe primär Klasse-III-Substanzen (vor allem Amiodaron, aber auch Sotalol) zum Einsatz, in geringerem Maße auch Klasse 1c-Substanzen.

Dronedaron, das in der ATHENA-Studie vor allem die Rate an Klinikeinweisungen deutlich reduzierte, war im Studienzeitraum (2007 - 2009) noch nicht verfügbar.

Die Erfolgsquote der Frequenzkontrolle betrug 47 Prozent, primär bedingt durch den Anteil an Patienten, die das - sehr strikte - Erfolgskriterium für die Frequenzkontrolle erfüllten (74 Prozent). In dieser Gruppe bestand am Ende nur bei 33 Prozent der Patienten ein Sinusrhythmus.

Mit Blick auf die Rhythmuskontrolle war auch eine günstige - nämlich verzögernde - Wirkung auf die Progression von Vorhofflimmern zu erkennen.

In dieser Gruppe belief sich der Anteil der Patenten, die ein permanentes Vorhofflimmern entwickelten, nur auf 13 Prozent, verglichen mit 54 Prozent in der Gruppe mit Frequenzkontrolle.

Wie schon in den kontrollierten Studien hatte die Wahl der Behandlungsstrategie auch im RECORD-AF-Register, das die Situation im realen Praxisalltag besser widerspiegelt, keine Auswirkungen auf die Häufigkeit von klinischen Ereignissen.

Mit rund 18 Prozent war die Inzidenz von Ereignissen wie Herztod, Schlaganfall, Myokardinfarkt sowie von kardiovaskulär oder durch Arrhythmien bedingten Hospitalisierungen in beiden Gruppen nahezu gleich.

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