Ärzte Zeitung online, 19.09.2011

Europäer kardiovertieren unterschiedlich

Die Praxis der Kardioversion bei Vorhofflimmern folgt im internationalen Vergleich keinem einheitlichen Muster: Die Art, wie Ärzte überwiegend kardiovertieren, unterscheidet sich von Land zu Land.

Keine einheitliche Linie bei der Kardioversion

Defibrilator: In Schweden greifen Ärzte bei Vorhofflimmern häufiger zu dem Gerät.

© Mathias Ernert

PARIS (ob). Im Falle einer geplanten Kardioversion bei Vorhofflimmern ist die Wahl der Behandlungsmethode in einzelnen Ländern sehr unterschiedlich.

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher nach Auswertung klinischer Daten, die im Rahmen des multrizentrischen RHYTHM-AF-Registers in zehn Ländern - darunter auch Deutschland - erhobenen worden sind.

Danach war in den meisten Ländern die elektrische Kardioversion die bevorzugte Methode, wobei allerdings ihr Anteil in Relation zur pharmakologischen Kardioversion sehr schwankend war.

Methoden in Polen ausgeglichen

In Schweden etwa erfolgte der Konversionsversuch im Falle einer geplanten Kardioversion bei nahezu allen Patienten (96 Prozent) per Elektroschocks. An zweiter Stelle folgte Deutschland, wo der Anteil der elektrischen Kardioversionen bei immerhin 91 Prozent lag.

Danach kamen Großbritannien (85 Prozent), Frankreich (84 Prozent) und die Niederlande (77 Prozent). In Polen war der relative Anteil beider Methoden der Kardioversion mit jeweils 50 Prozent identisch.

Am anderen Ende des Spektrums befand sich Spanien: In diesem Land wurden 94 Prozent aller im Register erfassten Kardioversionen als pharmakologischer Konversionsversuch durchgeführt, berichtete Professor Harry Crijns aus Maastricht beim europäischen Kardiologenkongress in Paris.

Im Durchschnitt aller zehn Länder lag der Anteil der Elektrokardioversionen bei 66 Prozent und der von medikamentösen Kardioversionen bei 34 Prozent.

Elektroschocks bei persistierendem VHF vorn

Im Falle einer geplanten Kardioversion wurde diese im Schnitt bei rund 70 Prozent aller Patienten dann auch tatsächlich vorgenomment. Bei den übrigen 30 Prozent wurde - etwa wegen einer Spontankonversion in den Sinusrhythmus - auf eine entsprechend Behandlung verzichtet.

Auch hier gab es große Unterschiede zwischen den Ländern: In Frankreich etwa wurden nur 55 Prozent aller geplanten Kardioversionen in der Folge auch tatsächlich durchgeführt, in den Niederlanden dagegen 92 Prozent.

Auch die Form des Vorhofflimmerns hatte Einfluss auf die Wahl des Verfahrens: Bei neu entdecktem und paroxysmalem Vorhofflimmern entschied man sich je Hälfte für die elektrische und medikamentöse Kardioversion.

Bei persistierendem Vorhofflimmern war dagegen mit einem Anteil von 92,4 Prozent die Elektrokardioversion die klar favorisierte Methode.

Deutschland Vorbild beim Einsatz der TEE

Deutschland stach im internationalen Vergleich dadurch hervor, dass sich hierzulande für eine vorausgehende transösophageale Echokardiografie (TEE) zum Ausschluss eines Vorhofthrombus so häufig wie in keinem anderen Land entschieden wurde.

Bei 73 Prozent aller Kardioversionen wurde zuvor eine TEE-Untersuchung durchgeführt - eine Rate, die in keinem der anderen neun Länder auch nur annähernd erreicht wurde.

In das vom Unternehmen MSD unterstützte prospektive RHYTHM-AF-Register sind zwischen Juni 2010 und Juni 2011 insgesamt 3943 Patienten mit dokumentiertem symptomatischem Vorhofflimmern aufgenommen worden, bei denen eine Kardioversion als Bestandteil einer rhythmuserhaltenden Behandlungsstrategie geplant war.

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