Ärzte Zeitung online, 18.10.2011

Kardioversion: Stromstöße schädigen nicht das Herzgewebe

Bislang hieß es: Bei wiederholter Elektrokardioversion von Vorhofflimmern könnte das Herzgewebe durch die Stromstöße Schaden nehmen - mit langfristig ungünstigen Auswirkungen. Jetzt geben Autoren einer neuen Studie aber Entwarnung: Sie konnten keine Beziehung zwischen externen Elektroschocks und der Mortalität feststellen.

Kardioversion: Stromstöße schädigen nicht das Herzgewebe

Elektrokardioversionen: Die Analyse von vier Studiengruppen ergab keine Korrelation zwischen der Häufigkeit elektrischer Konversionsversuche und der Mortalität.

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LEXINGTON (ob). Über die Sicherheit therapeutisch genutzter Elektroschocks ist in jüngster Zeit vor allem im Zusammenhang mit der ICD-Therapie diskutiert worden.

Studien haben gezeigt, dass ICD-Schocks zwar lebensbedrohliche Kammertachykardien erfolgreich terminieren und so die Mortalität zunächst deutlich senken, auf längere Sicht aber mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert sein können.

Noch ist unklar, was hinter dieser Assoziation steckt. Sie ist per se noch kein Beweis für eine kardial schädigende Wirkung von ICD-Schocks - könnten diese Schocks doch lediglich ein Marker für die Schwere oder Progression einer Grunderkrankung wie Herzinsuffizienz sein, welche dann die eigentliche Ursache für die erhöhte Mortalitätsrate wäre.

Sind wiederholte Elektrokardioversionen auf längere Sicht wirklich sicher?

Allerdings wurde beobachtet, dass auch fälschlich - etwa durch Vorhofflimmern - ausgelöste ICD-Schocks mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert waren - was für eine direkte Schädigung, die sich mit Verzögerung klinisch manifestiert, sprechen könnte.

Sollten die internen ICD-Stromstöße tatsächlich die Herzmuskelzellen schädigen, könnte dieses Risiko auch bei der externen Schockabgabe im Falle einer Elektrokardioversion von Vorhofflimmern bestehen. Sind wiederholte Elektrokardioversionen auf längere Sicht wirklich sicher?

Studie mit 4060 Teilnehmern

Dieser Frage sind die Autoren der AFFIRM-Studie in einer retrospektiven Analyse nachgegangen (Circ Arrhythm Electrophysiol.2011; 4: 465).

Von den 4060 Teilnehmern dieser Studie - alle hatten Vorhofflimmern - sind 1086 nur einmal, 289 zweimal und 125 dreimal oder noch häufiger einer Elektrokardioversion unterzogen worden; 2460 erhielten keine entsprechende Konversionsbehandlung.

Keine Korrelation zwischen Häufigkeit der Konversionsversuche und der Mortalität

Die Analyse dieser vier Subgruppen ergab keine Korrelation zwischen der Häufigkeit elektrischer Konversionsversuche und der Mortalität - unabhängig davon, wie niedrig die Auswurffraktion oder von welcher Art das Vorhofflimmern war (paroxysmal oder nicht paroxysmal).

Die Mortalitätsraten lagen dabei im Beobachtungszeitraum von 3,5 Jahren zwischen 10,4 und 16,7 Prozent (Kardiovaskuläre Mortalität: 5,6 bis 8,2 Prozent).

Numerisch war die Mortalität mit 10,4 Prozent in der Subgruppe mit der höchsten Zahl von Schockepisoden sogar am niedrigsten, in der Subgruppe ohne Kardioversion lag sie bei 16,7 Prozent.

Absolute Sicherheit der Elektrokardioversion kann nicht bescheinigt werden

Die Häufigkeit der Schock-Episoden korrelierte allerdings signifikant mit dem Risiko für kardial bedingte Klinikeinweisungen. Grund dafür könnte das frühe Auftreten von symptomatischen Arrhythmie-Rezidiven oder von akuter Herzinsuffizienz gewesen sein, vermuten die Autoren.

Absolute Sicherheit können sie der Elektrokardioversion nach eigener Einschätzung nicht bescheinigen. Nicht auszuschließen sei, dass zumindest das Myokard von Patienten mit schwer vorgeschädigten Herzen durch die Stromstöße doch in Mitleidenschaft gezogen wird.

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