Ärzte Zeitung, 17.06.2013

Herzstillstand

Ist ein Tubus des Guten zu viel?

Mit Beatmungsbeutel war in einer Studie die Quote der Patienten mit günstiger Prognose höher.

BOSTON. Eine Studie hat die Annahme widerlegt, dass es desto besser wäre, je früher Patienten, die außerhalb einer Klinik einen Herzstillstand erleiden, intubiert werden (JAMA 2013; 309: 257-66).

Demnach verschlechtert das Einbringen von Tubus oder supraglottischer Beatmungshilfe die Aussichten, den Herzstillstand mit ausreichender Hirnfunktion zu überleben.

Die Rate der Patienten, die schlimmstenfalls mäßige neurologische Defizite aufweisen und noch in der Lage sind, ein eigenständiges Leben zu führen, liegt einen Monat nach Herzstillstand und aggressivem Atemwegmanagement (AAM) - ob mit Tubus oder supraglottischer Atemhilfe - bei 1,0-1,1%.

Werden die Patienten mit Beatmungsbeutel beatmet, beträgt die Quote knapp 2,9%.Generell überleben mit AAM behandelte Patienten seltener den ersten Monat nach einem Herzstillstand - in der Studie waren es 3,9%. Nach der Sauerstoffversorgung mit einem Beutel lag der Anteil bei 5,3%.

Bereits die Chance, dass sich wieder eine spontane Zirkulation einstellt, sinkt bei AAM je nach Kalkulation um 20-40%.

Zweifel am Sinn des AAM bei Herzstillstand

Die Studie von Kohei Hasegawa und seiner Gruppe ist nicht die erste, die Zweifel am Sinn des AAM bei Herzstillständen außerhalb des klinisch-stationären Rahmens weckt, aber eine sehr große.

Aufgebaut als prospektive, landesweite populationsbasierte Untersuchung, umfasst sie Daten von fast 650.000 erwachsenen japanischen Patienten, die in den Jahren 2005 bis 2010 nach einem Herzstillstand reanimiert wurden. 57% von ihnen waren mit einem Beutel, 37% über eine supraglottische Beatmungshilfe und 6% via Intubation beatmet worden.

Auch wenn die Ergebnisse der Studie der Annahme widersprechen, AAM verbessere die Prognose der Patienten, wollen die Wissenschaftler nicht rundweg davon abraten.

"Das hieße Situationen zu verkennen, in denen durchaus von einem Nutzen des AAM auszugehen ist - etwa lang dauernde Transporte oder Atmungsversagen noch ohne Kreislaufstillstand", schreiben Hasegawa und Kollegen. Ob und welche Patienten von AAM profitieren, sei in künftigen Studien zu klären.

Gründe nicht angegeben

Vor allzu raschen Konsequenzen warnen die Notfallspezialisten Henry Wang (Birmingham/Alabama) und Donald Yealy (Pittsburgh/Pennsylvania).

Sie verweisen beispielsweise auf in der Studie fehlende Angaben zu den Gründen, die etwa die Entscheidung für eine Intubation geleitet haben. Immerhin könnte es sich bei den mit AAM Versorgten um Patienten gehandelt haben, denen es besonders schlecht ging.

Wang und Yealy rufen dazu auf, den Forschungsprozess voranzutreiben: "Patienten, die einen Herzstillstand erleiden, und ihre Retter verdienen es zu erfahren, welche Maßnahmen die besten sind." (rb)

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