Ärzte Zeitung, 18.07.2007

Sommerakademie 2007

Zytokine aus dem Bauchfett schaden dem Knorpel

Abspecken bei Arthrose nützt auch den kleinen Gelenken / Fettgewebe wird als endokrines Organ angesehen

Übergewicht ist ein entscheidender Risikofaktor für die Entstehung und die Progression von Arthrose. Dabei begünstigt das Fettgewebe an sich die Erkrankung.

Das Bauchfett bildet Zytokine und Adipokine, die bei Patienten mit Arthrose zur Degeneration des Gelenkknorpels führen. Foto: ABDA

Body Mass Index und Häufigkeit von Gonarthrose sind linear miteinander verknüpft: je höher der BMI, desto größer ist die Gonarthroserate. Das hat eine Studie bei 3585 Personen über 55 Jahren ergeben (Ann Rheum Dis 66, 2007, 158). Es ist jedoch nicht nur die mechanische Belastung durch das Übergewicht, die bei Dicken die Arthrose begünstigt. Denn Adipöse haben auch in Gelenken ohne mechanische Belastung häufiger eine Arthrose als Normalgewichtige.

Forscher erklären diesen Befund so: Das Fettgewebe sei eine Art endokrines Organ, das viele Zytokine wie Interleukin-1 und TNFα sowie die Adipokine Adiponektin, Leptin und Resistin bildet. "Hohe Leptinspiegel im Gelenk führen zur Degeneration der Matrix", erklärt Professor Stefan Rehart vom Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main. Hinzu komme bei Übergewichtigen eine schlechtere subchondrale Gefäßversorgung, so Rehart. Das kann zu einer Mangelernährung des Knorpels oder zu direkten ischämischen Effekten auf den Knochen führen.

Rehart weiter: "Chondrozyten besitzen Mechanorezeptoren und Ionenkanäle, die über Scherkräfte aktiviert werden." Wenn durch die dauernde Belastung des Gelenkknorpels im Knie bei adipösen Patienten die Rezeptoren der Chondrozyten aktiviert werden, bilden die Knorpelzellen Zytokine, Wachstumsfaktoren und Entzündungsmediatoren wie Prostaglandine und Stickoxid. Diese Prozesse können dann die Matrixsynthese im Gelenk hemmen und zur Degeneration des Gelenkknorpels führen.

Positiv auf die Gelenke wirkt eine Kombination von moderater sportlicher Betätigung und moderatem Gewichtsverlust (fünf Prozent in 18 Monaten). Das hat die ADAPT*-Studie mit 316 Patienten mit einem BMI über 28 und radiografischen Arthrosezeichen ergeben. Gelenksymptome, Schmerzen und Mobilität waren mit den kombinierten Maßnahmen mehr verbessert als bei den Patienten, die nur Gewicht verloren.

Zusätzlich für Abspecken spricht: In Studien wurde beobachtet, dass sich bei Patienten mit Arthrose die Symptome der Erkrankung bessern, wenn sie abnehmen. Dabei wirkte sich das Abspecken aber nicht nur auf arthrotisch veränderte Kniegelenke positiv aus, sondern auch auf arthrotisch veränderte Fingergelenke. Der positive Effekt liegt somit weniger am Verlust von Körpergewicht, sondern vielmehr am Verlust von Körperfett. Dadurch werde letztlich die Zytokinausschüttung vermindert, so der rheumatologische Orthopäde Rehart. (hub)

*Arthritis, Diet, and Activity Promotion Trial

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »