Ärzte Zeitung online, 06.07.2009

Sport hilft, auch wenn Abspecken nicht gelingt

Sport lindert auf vielerlei Weise das metabolische Syndrom. Übergewichtige profitieren, auch wenn sie ihr Gewicht dabei nicht reduzieren können.

Von Simone Reisdorf

Bauchfett durch Sport zu vermindern ist wichtiger, als das Körpergewicht an sich zu reduzieren.

Foto: Imaginis©www.fotolia.de

NEW ORLEANS. "Sport hat einen wichtigen Einfluss auf kardiovaskuläre Mechanismen", hat Professor Kerry J. Stewart bei einem Symposium auf dem Diabetes-Kongress in New Orleans betont. "Körperliche Bewegung verbessert die linksventrikuläre Funktion des Herzens und wirkt gegen endotheliale Dysfunktion, arterielle Gefäßsteifigkeit und chronische systemische Inflammation", sagte der Experte aus Baltimore im US-Staat Maryland.

"Sport verbessert auf mehreren Wegen die Insulinaufnahme in den Muskel und die Insulinwirkung im Muskel", ergänzte Professor Sheri R. Colberg aus Norfolk in den USA. Diese nützlichen Effekte des Sports wurden von beiden Experten mit vielen Studiendaten belegt. Dabei bewirke aerobes Ausdauertraining direkt eine erhöhte Glukoseaufnahme in die Muskelzellen, Kraftsport fördere dagegen indirekt den Aufbau von fettfreier Körpermasse. Beide Arten von Sport erhöhten zudem die Ausschüttung von Glukosetransporter-4 (GLUT-4). Dass diese positiven Wirkungen tatsächlich unmittelbar dem Muskeltraining zu verdanken sind, wurde mit differenzierten Messungen der Parameter in einer Studie belegt. Die Probanden bewegten in der Untersuchung beim Sport nur ein Bein, das andere aber nicht.

"Sport bringt nicht immer eine Reduktion des Körpergewichts. Kardiovaskuläre Risiken reduziert er aber trotzdem", sagte Professor Jean-Pierre Després aus Montreal in Kanada. In der von ihm geleiteten SYNERGIE-Studie hatte eine einmal monatliche individuelle Bewegungs- und Ernährungsberatung die Beratenen zu Sport und gesunder Kost motiviert. Dies führte über die drei Jahre Studiendauer zu einer Reduktion ihres viszeralen Fettes. "Obwohl damit keineswegs immer eine Abnahme an Körpergewicht verbunden war, verbesserten sich die Glukose-Insulin-Balance, die Plasmalipide und einige Entzündungsparameter der Teilnehmer der Verumgruppe", so Després: "Die viszerale Adipositas zu vermindern ist ein wichtigeres Behandlungsziel, als das Körpergewicht an sich zu reduzieren."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »