Ärzte Zeitung, 16.02.2004

Gemüse und Gartenarbeit halten fit bei AVK

Patienten-Schulungen zur peripheren arteriellen Verschlußkrankheit / Fettarme Ernährung und Spaziergänge helfen

LANDAU (hbr). Mittwoch, Landau in der Pfalz. In der Praxis von Dr. Stefan Meier, Internist und Diabetologe, ist heute pAVK-Schulung, und jetzt sind Bewegungsübungen dran. Das soll die Durchblutung fördern und mobilisieren. Erste Übung: Zehenstand. Referentin Ursula Hein turnt vor: Füße schulterbreit auseinander. Langsam mit den Fersen nach oben, bis es in den Waden zieht. Dann langsam wieder zurück. Die älteren Patienten sind mit Spaß dabei. Wer hat behauptet, ältere Menschen seien schwer zu aktivieren?

Schulen Patienten mit peripherer arterieller Verschlußkrankheit: Michael Hofstadt und Ursula Hein.
Fotos (3): Bristol-Myers Squibb

Die Schulung ist ein Service des Unternehmens Bristol-Myers Squibb (BMS) für Arztpraxen. Sie soll Wissen über die Erkrankung vermitteln und den Patienten helfen, einem Gefäßverschluß vorzubeugen. BMS-Mitarbeiter Michael Hofstadt liefert die Basisinformationen. Was passiert mit den Gefäßen auf dem Weg zur Schaufensterkrankheit? Wie sieht die Diagnostik aus? Was kann jeder Patient selbst tun?

Bequeme Schuhe und Fußinspektionen sinnvoll

Referent Michael Hofstadt erklärt den Patienten die Risikofaktoren der pAVK wie Rauchen und Übergewicht.
Referentin Ursula Hein führt einer Patientin vor, wie die Zehenstandsübungen gemacht werden sollten.

Zum Beispiel die richtigen Schuhe auswählen. Sie dürfen nicht einengen. Strümpfe auch nicht. "Werfen Sie sie weg, wenn Sie einen Abdruck sehen", empfiehlt Hofstadt, "das behindert den Blutfluß". Die Beine sollten nicht übereinandergeschlagen werden, wegen der Blutgefäße in der Kniekehle. Fußpilz ist ein Tor für Infektionen; die Füße müssen deshalb regelmäßig inspiziert werden. Verzicht auf Barfußlaufen ist zu empfehlen - bei schlechter Wundheilung sind Verletzungen riskant. Besprochen werden auch die wesentlichen Gefäßrisiken Rauchen, Cholesterin, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Bewegungsmangel.

Das Thema Rauchen ist schnell erledigt: Hier raucht keiner mehr. Gerne angenommen werden Tips zum Abnehmen. Empfohlen werden kalorienarme Getränke wie Wasser, Kaffee und Light-Limonaden sowie ballaststoffreiche Mischkost mit viel Obst und Gemüse. Salzarme Zubereitung kann bei Hypertonie günstig sein. Dann wird es hart.

Frauen zum Beispiel sollten nur 70 bis 80 Gramm Fett am Tag verzehren, nach der Menopause sogar nur 60 Gramm, weil der Grundumsatz sinkt. Das ist wenig. Eine Liste mit versteckten Fetten frustriert - eine Pizza hat 49 Gramm Fett, eine Portion Pommes 17, drei Scheiben Salami haben 12 Gramm Fett.

Auch das Durchrechnen der letzten Mahlzeit ernüchtert: Ein Rumpsteak mit Pommes frites und Röstzwiebeln, und das Fettkonto ist fast ausgeschöpft. Da bleibt ja für den Rest des Tages nur Grünfutter! Sogar die Sauce Vinaigrette auf dem Salat beschert 25 Gramm Fett, fast soviel wie eine Tafel Schokolade.

Da rinnen sie dahin, die Freuden des Alltags. Hein muntert auf: "An Gemüse können Sie sich sattessen!" Doch irgendwie begeistert diese Vorstellung niemanden so recht. Fettreduktion geht offenbar an die Lebensqualität. Aber Fett macht halt fett, sagt die Lebensmittelchemikerin und bietet ein Trostpflaster an: Butter.

Die Cholesterinzufuhr hierzulande sei zwar mit 700 Milligramm täglich doppelt so hoch wie empfohlen. Davon stammen aber nur neun Prozent aus Butter, 43 Prozent aus Fleisch und Wurst. Margarine sei keine Alternative, weil zu stark verarbeitet. "Sparen Sie an fettem Fleisch und Wurst", rät sie, "und streichen Sie lieber dünn Butter auf´s Brot als etwas anderes". Erleichterte Zustimmung.

Gehtraining hemmt die Krankheitsprogression

Hofstadt plädiert für Bewegung, um die Gefäßkrankheit aufzuhalten. Treppensteigen statt Aufzug, Spaziergänge, Gartenarbeit. "Fangen Sie langsam an", mahnt er, "reden Sie erst mit Ihrem Arzt, was für Sie sinnvoll ist!" Etwa regelmäßiges Gehtraining, um die Gehstrecke zu erhöhen. Oder die Kniebeugen und Rollen nach Ratschow.

Ein Zehenstand geht auch im Supermarkt am Einkaufswagen, sagt Hein und startet die zweite Übung. Die Patienten sind sofort dabei: Füße etwas auseinander, Arme vor, Rücken gerade und die Knie beugen - langsam, nicht zu tief -, bis es in Po und Oberschenkeln zieht. Dann langsam wieder hoch, ohne die Knie durchzudrücken, um die Gelenke zu schonen.

Schulungen für Patienten

Kostenfreie BMS-Patienten-Schulungen gibt es zu den Erkrankungen pAVK, Herzinfarkt, Schlaganfall und Ernährung bei Typ-2-Diabetes. Nähere Informationen zu den einzelnen Patienten-Schulungen erhalten Sie bei dem für Sie zuständigen Außendienstmitarbeiter von Bristol-Myers Squibb. (hbr)

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