Ärzte Zeitung, 18.12.2007

AVK-Diagnostik geht auch Hausärzte an

Berechnung des Knöchel-Arm-Indexes deckt Gefäßverengungen auf /  Rasche Behandlung erforderlich

MÜNCHEN (kat). Angesichts der großen Zahl betroffener Patienten kann die Abklärung einer arteriellen Verschlusskrankheit (AVK) nicht nur Sache der Angiologen sein. Auch Hausärzte können zumindest bei Hochrisikopatienten mit verdächtigen Strömungsgeräuschen und Pulsstaus eine ABI (Ankle brachial Index)-Messung machen, sagt der Internist Dr. Kurt Henze aus München. Denn auch Patienten ohne Claudicatio können betroffen sein - besonders ältere Frauen.

 AVK-Diagnostik geht auch Hausärzte an

Bestimmung des Blutdrucks am Knöchel mit Hilfe von Ultraschall.

Foto: Diehm

Beim ABI wird das Verhältnis zwischen systolischem Blutdruck an der Knöchel- und Oberarmarterie, jeweils links und rechts, gemessen und der Quotient gebildet. Jeweils der höhere Wert wird verwendet, um falsch-positive Ergebnisse zu vermeiden. Liegt der Wert über 1,29 sollte ein Diabetes abgeklärt werden, beträgt er 1,00 bis 1,29, ist er normal, zwischen 0,91 bis 0,99 uneindeutig. Liegt der Wert zwischen 0,41 und 0,90, ist von einer leichten bis mittelschweren PAVK auszugehen, bei Werten unter 0,4 von einer schweren PAVK mit der Gefahr, dass bald eine Amputation erforderlich wird.

Wenn der gemessene ABI-Wert nicht zum klinischen Bild zu passen scheint, kommen mehrere Fehlerquellen in Betracht.

Liegt eine PAVK vor, sollte unbedingt eine Therapie eingeleitet werden, forderte Henze bei einer Veranstaltung des Unternehmens Bristol-Myers Squibb. Die aktuellen TASC II (Transatlantic Inter-Society Consensus)-Empfehlungen sehen für alle symptomatischen Patienten eine langfristige Therapie mit einem Thrombozytenaggregationshemmer vor.

Die Wirksamkeit von Clopidogrel (vom Unternehmen als Iscover® angeboten) hinsichtlich Reduktion von Myokardinfarkten, Schlaganfällen und vaskulärem Tod, ist bei diesen Patienten, auch wenn sie keine zusätzlichen kardiovaskulären Manifestationen aufweisen, belegt.

Fehlerquellen bei der ABI-Messung

Ein falsch hoher ABI kann gemessen werden:

  • wenn der Oberkörper zu hoch gelagert ist,
  • wenn die Manschette zu schmal ist,
  • wenn eine chronische Veneninsuffizienz vorliegt,
  • bei Knöchelödemen,
  • bei Hautsklerose,
  • bei Mediasklerose,
  • bei beidseitigen Subclavia-Stenosen.

Ein zu niedriger ABI kann gemessen werden:

  • wenn die Ruhepause zu kurz war,
  • wenn der Manschettendruck zu schnell abgelassen wurde,
  • wenn die Sonde falsch gehalten wurde (Abrutschen),
  • wenn die Sonde zu fest angedrückt wurde,
  • wenn das Gefäß nur am Rande getroffen wurde,
  • wenn das Sprunggelenk überstreckt war,
  • wenn die Stenosierung zwischen Manschette und Ableitstelle liegt.

STICHWORT

Bestimmung des Knöchel-Arm-Indexes

Zur Ermittlung des Knöchel-Arm-Indexes (Ankle-Brachial-Index, ABI) wird der Blutdruck am Oberarm gemessen und am Knöchel mit Hilfe des Dopplers bestimmt. Dann wird der Knöchelwert durch den Armwert geteilt. Als pathologisch und Hinweis auf eine arterielle Verschlusskrankheit gelten Befunde mit Werten unter 0,9. (eb)

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