Ärzte Zeitung online, 16.01.2009

Neues MRT-Kontrastmittel macht Angiografien einfacher

BONN (eb). Radiologen der Universität Bonn haben ein neuartiges intravenös verabreichtes Kontrastmittel erprobt, das bei MRT-Untersuchungen wegen Durchblutungsstörungen sicher Gefäßstenosen erkennen lässt. Das Kontrastmittel bindet an Albumin und bleibt damit länger im Blutkreislauf. Das erhöht den Kontrast bei den Aufnahmen. Die Radiologen hoffen, dass ein Teil der Katheter-Angiografien ersetzt werden können.

Foto: Ladd

Das bislang als bestes geltende Diagnoseverfahren bei peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen (PAVK) sind Katheter-Angiografien mit arteriellem Zugang, meist über eine Leistenarterie. Zu den möglichen Komplikationen dieser digitalen Substraktions-Angiografien (DSA) gehören Leistenhämatome, Dissektionen und Embolien, die durch Mobilisierung von atherothrombotischem Material entstehen.

Radiologen der Universität Bonn um Privatdozent Winfried A. Willinek haben das neue Kontrastmittel an 27 Patienten erprobt. Dabei untersuchten sie insgesamt 334 arterielle Segmente (Radiology 249, 2008, 701).

"In jedem einzelnen Fall kamen wir dabei mit der neuen Methode zum selben Ergebnis wie mit der DSA", so Willinek. Zum Vergleich testeten die Gefäßspezialisten auch das herkömmliche MRT-Verfahren mit intravenöser Kontrastmittelgabe. Hier betrug die Übereinstimmung mit der DSA nur 87 Prozent. Denn durch die Verdünnungseffekte wirken die Bilder mitunter verwaschen. "Dazu kommt, dass die Nieren das Kontrastmittel schnell wieder herausfiltern", ergänzt Willinek. "Nur bei der ersten Passage des Mittels durch den Engpass entstehen brauchbare Aufnahmen."

Das neue Kontrastmittel bindet dagegen reversibel an Albumin und bleibt so weitaus länger im Körper, bevor es von den Nieren herausgefischt wird. Auf diese Weise werden längere Aufnahmezeiten möglich. Die so erzielbaren Aufnahmen sind somit weitaus kontrastreicher. Möglicherweise kann das neue komplikationsarme Verfahren einen Teil der riskanteren Katheter-Angiografien ersetzen, hoffen die Radiologen.

In Deutschland sind nach Schätzungen bis zu zehn Millionen Menschen von PAVK betroffen. Und pro Jahr müssen bei etwa 30 000 Betroffenen Gliedmaßen amputiert werden, wie die Universität mitteilt. Bei frühzeitiger und korrekter Diagnose sind Therapien wie gezieltes Gehtraining, eine cholesterinarme Diät, strikten Verzicht auf Zigaretten oder auch durchblutungsfördernde Medikamente Erfolg versprechend.

In schweren Fällen können Ärzte zudem Stents einsetzen oder Stenosen mit einem Ballon dilatieren. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, die betroffene Stelle mit einem Bypass zu umgehen. Rund 80 Prozent aller Amputationen ließen sich mit derartigen Methoden vermeiden.

Abstract der Studie "Peripheral MR Angiography with Blood Pool Contrast Agent: Prospective Intraindividual Comparative Study of High-Spatial-Resolution Steady-State MR Angiography versus Standard-Resolution First-Pass MR Angiography and DSA"

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