Ärzte Zeitung, 26.01.2004

Bei Schlaganfall kann sich eine späte Lyse lohnen

MRT-Bild klärt Lyse-Indikation

MÜNSTER (grue). Mit einer MRT- Diagnostik werden Schlaganfall-Patienten erkannt, die vermutlich noch von einer späten Lyse-Therapie profitieren. Sie haben noch Stunden nach dem Infarkt lebendes, aber minderdurchblutetes Hirngewebe, das sich im MRT-Bild gut abzeichnet. Das Gewebe kann durch sofortige Thrombolyse vor dem Untergang gerettet werden.

In neue Studien werden deshalb Schlaganfall-Patienten mit solchen MRT-Befunden aufgenommen und der Lyse-Zeitraum auf bis zu neun Stunden verlängert, hat Professor Werner Hacke von der Universität Heidelberg bei der Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin in Münster berichtet. Dabei werden in diesen Untersuchungen auch die neuen Wirkstoffe Abciximab und Desmoteplase geprüft. Es zeichnen sich damit Therapieerfolge ab, die ähnlich sind wie die Lyse mit rtPA nach 90 Minuten, sagte Hacke.

Thromben beim ischämischen Schlaganfall können bisher innerhalb von drei Stunden mit rtPA aufgelöst werden. Wie wichtig es dabei ist, auch innerhalb der Dreistundenfrist möglichst früh zu handeln, verdeutlich eine Metaanalyse aus drei Studien mit dem Gewebeplasminogen-Aktivator rtPA, Alteplase (Actilyse®), die der Neurologe bei einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim vorgestellt hat. Bei Patienten, die in den ersten 60 bis 90 Minuten lysiert wurden, war die Rate der Genesenden fast doppelt so groß wie bei Patienten, die erst nach 1,5 bis drei Stunden behandelt wurden.

In der retrospektiven Analyse der Daten ergab sich für einen Lyse-Beginn innerhalb der ersten 90 Minuten mit dem Faktor 2,8 ein fast dreifacher Vorteil im Vergleich zu einer Nicht-Lyse-Behandlung. Dieser Faktor sinkt deutlich auf 1,5, wenn erst später behandelt wird. Parallel dazu steigt die Zahl der Patienten, die Number needed to treat (NNT), die behandelt werden müssen, um statistisch einem Patienten nachhaltig zu helfen.

Sie beträgt in der ersten Stunde 2,5 und steigt auf 7 jenseits der 90. Minute. "Der Effekt der Thrombolyse ist also stark zeitabhängig", sagte Hacke. "Das gilt besonders für Patienten, bei denen die Lyse nur auf Basis klinischer Befunde und CT-Aufnahmen vorgenommen wird".

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