Ärzte Zeitung, 18.05.2004

Prävention wirkt sich deutlich auf die Apoplexie-Inzidenz aus

Daten zu Schlaganfall-Patienten aus 20 Jahren analysiert

MANNHEIM (ner). "Immer älter" ist gleich "immer kränker". Das wird oft suggeriert, muß aber nicht so sein, wie britische Neurologen jetzt bewiesen haben: Obwohl es immer mehr ältere Mitbürger gibt und die Lebenserwartung steigt, sinkt nach ihren Studienergebnissen die Schlaganfall-Inzidenz. Ein Grund dafür ist die effektive Prävention.

In ihrer prospektiven Studie haben die britischen Kollegen Daten von 90 500 Menschen aus der Region Oxfordshire in England (Oxford Vascular Study - OXVASC) analysiert. Dr. Peter M. Rothwell von der Universität Oxford hat die Ergebnisse jetzt bei der Europäischen Schlaganfall-Konferenz in Mannheim vorgestellt.

Zwar steigt die Apoplexie-Inzidenz mit dem Alter an. Insgesamt ist sie jedoch in den vergangenen 20 Jahren um 40 Prozent gesunken. Und das, obwohl das Durchschnittsalter der Bevölkerung signifikant gestiegen ist. So erhöhte sich der Anteil der über 75jährigen in der Region Oxfordshire in dieser Zeit um 35 Prozent.

Der Vergleich der OXVASC-Zahlen mit den Ergebnissen einer epidemiologischen Studie in den 1980er Jahren (Oxford Community Stroke Project - OCSP) ergab folgendes: Lag die Schlaganfall-Inzidenz 1981 bis 1984 bei 2,3 pro 1000 Einwohnern, betrug sie 2002 bis 2004 nur noch 1,6 pro 1000 Einwohner. Zudem habe die Schwere der Schlaganfälle abgenommen, erklärte Rothwell.

Die Reduktion der Schlaganfall-Fälle korreliert mit der Abnahme der Zahl der Raucher (von 31 auf 15 Prozent), der Abnahme des Gesamtcholesterins um 1,0 mmol/l (etwa 40 mg/dl) sowie der Abnahme des durchschnittlichen systolischen Blutdrucks von 156 mmHg auf 146 mmHg.

Lag der systolische Blutdruck in den 80er Jahren noch bei mehr als der Hälfte der untersuchten Menschen über 160 mmHg, ist dies jetzt nur noch bei 29 Prozent der Fall. Gleichzeitig stieg die Anwendung von Blutdruck-Mitteln, Lipidsenkern und Plättchenhemmern hochsignifikant.

Fazit von Rothwell: Mit Präventionsstrategien, die vaskuläre Risiken berücksichtigen, sind substantielle Erfolge zu erzielen. Eine weitere deutliche Abnahme der Schlaganfall-Inzidenz erscheine möglich.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »