Ärzte Zeitung, 15.06.2004

Bei Schlaganfall und KHK ist ASS nicht genug

Prävention mit ASS/Dipyridamol hat Priorität

MANNHEIM (gvg). KHK-Patienten, die einen Schlaganfall hatten, sollten statt mit Acetylsalicylsäure allein mit einer Kombination aus ASS und Dipyridamol behandelt werden, hat der Kardiologe Professor Harald Darius auf dem Europäischen Schlaganfallkongreß in Mannheim plädiert.

Die feste Kombination aus 25 Milligramm ASS und 200 Milligramm des Thrombozytenhemmers Dipyridamol (Aggrenox®) wird zweimal täglich eingenommen.

Auf einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim präsentierte Darius Daten einer post-hoc-Analyse der ESPS-2-Studie, in der ASS/Dipyridamol mit einer ASS-Monotherapie bei der Schlaganfall-Sekundärprävention verglichen worden war. Bei der Kombi-Therapie waren die relativen Raten eines erneuten, schweren kardiovaskulären Ereignisses um über ein Drittel und damit doppelt so stark wie bei ASS vermindert.

In die post-hoc-Analyse wurden nun ausschließlich die Daten der Patienten aufgenommen, die im Studienzeitraum einen Herzinfarkt hatten. "Dabei gab es im ESPS-2-Beobachtungszeitraum von zwei Jahren keinen signifikanten Unterschied bei der Zahl der Infarkte zwischen der Gruppe, die nur ASS erhalten hatte und der, die die ASS/Dipyridamol-Kombination bekam", sagte Darius. Gleiches gelte für das Auftreten von Angina-pectoris-Beschwerden.

Darius folgert daraus, daß die Therapie mit ASS/Dipyridamol bei stabiler KHK trotz der relativ niedrigen Tagesdosis von 50 mg ASS eine sichere Alternative ist. Patienten mit stabiler KHK und Schlaganfall in der Anamnese stelle er deswegen auf ASS/Dipyridamol ein oder um.

Von neurologischer Seite könne er das nur unterstützen, bekräftigte Professor Hans-Christoph Diener von der Universität Essen. Eine ASS-Monotherapie in der Sekundärprophylaxe nach Schlaganfall sei heute nur noch bei jüngeren Patienten ohne kardiovaskuläre Risikofaktoren zu rechtfertigen.

Die Kombi-Therapie steht nach den aktuellen Leitlinien deutscher Neurologen und Schlaganfall-Experten in der Sekundärprävention des Schlaganfalles daher auch ganz oben.

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