Ärzte Zeitung, 26.11.2004

Kann Magnetstimulation Reha-Resultate bessern?

Transkranielle Therapie besserte in Pilotstudie die Motorik / Untersuchung mit Schlaganfall-Patienten ist geplant

BERLIN (gvg). Mit gezielter magnetischer Stimulation kortikaler Hirnareale könnte bei Apoplexie-Patienten der Erfolg einer Rehabilitation verbessert werden. Dieser Hoffnung wird zumindest durch eine neue Studie Nahrung gegeben, die ergeben hat, daß sich durch wiederholte Stimulation die motorische Leistungsfähigkeit bessern läßt.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Christian Plewnia von der Universität Tübingen untersuchte in einer Pilotstudie insgesamt 21 gesunde Probanden, die mit ihrer linken Hand an einer Tastatur so schnell wie möglich von den Untersuchern vorgegebene, zwanzig Ziffern lange Zahlenfolgen eingeben mußten. Gemessen wurde die durchschnittliche Länge des Intervalls zwischen zwei Tastendrücken, also die Geschwindigkeit der Fingerbewegung.

Jeder Proband absolvierte mehrere Durchgänge, in denen bestimmte Zahlenfolgen trainiert und dann wiederholt abgeändert wurden. Zuvor wurden nach einer Nullmessung jeweils Magnetstimulationen durchgeführt, und zwar entweder über dem ipsilateralen oder dem kontralateralen motorischen Kortex. Stimuliert wurde eine halbe Stunde lang mit einer Impulsfrequenz von einem Hertz. Zur Kontrolle wurde in zwei Durchgängen außerdem der Nervus medianus des linken Arms stimuliert oder eine kortikale Scheinstimulation vorgenommen.

"Wir konnten zeigen, daß bei einer Stimulation des ipsilateralen Kortex anders als bei einer Stimulation des kontralateralen Kortex die Zeit zwischen den Tastendrücken verglichen mit der peripheren Medianus-Stimulation und der Scheinstimulation signifikant abnahm", so Plewnia auf dem Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin.

Offenbar scheint die Niederfrequenzstimulation auf der Seite der Handbewegung hemmende Bahnen, die zum kontralateralen Motorkortex führen, zu bremsen. Das führt zu einer Enthemmung dieses für die Bewegung zuständigen Areals und damit zu einer Beschleunigung der Erregungsübertragung, die sich nicht nur anhand schnellerer Fingerbewegungen, sondern auch neurophysiologisch nachweisen läßt, wie Plewnia betonte.

"Es ist klar, daß wir jetzt wissen wollen, ob sich diese Beobachtung bei Schlaganfall-Patienten mit Läsionen im motorischen Kortex in der Rehabilitation nutzen läßt", so Plewnia.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »