Ärzte Zeitung, 26.09.2005

Welche Prävention nach Apoplexie?

Neue Leitlinie zur Sekundärprävention / Therapie richtet sich nach Höhe des Risikos

WIESBADEN (mar). Zur Sekundärprävention einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) oder eines ischämischen Schlaganfalls haben sich die Thrombozytenfunktionshemmer bewährt. Welches Medikament sollte im konkreten Fall eingesetzt werden? Dazu gibt es jetzt neue Leitlinien. Die Wahl der Substanz richtet sich nach der Höhe des Rezidivrisikos.

So läßt sich das Risiko für einen erneuten Schlaganfall abschätzen
Risikofaktor
Punkte
Alter < 65 Jahre
0
Alter 65 - 75 Jahre
1
Alter > 75 Jahre
2
Arterielle Hypertonie
1
Diabetes mellitus
1
Myokardinfarkt
1
Andere kardiovaskuläre Ereignisse (außer Myokardinfarkt und Vorhofflimmern
1
pAVK
1
Raucher
1
Zusätzliche TIA oder Insult
1
Quelle: DGN/DSG-Leitlinie, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
Werden mindestens drei Punkte bei einem Schlaganfall-Patienten erreicht, ist von einem hohen Risiko für ein Rezidiv auszugehen.

Die neue Leitlinie zur Primär- und Sekundärprävention bei zerebraler Ischämie wurde jetzt gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfallgesellschaft (DSG) erarbeitet.

Demnach wird für Patienten mit einem Rezidivrisiko von unter vier Prozent pro Jahr die Monotherapie mit Acetylsalicylsäure (ASS) in der Dosierung von 50 bis 150 mg täglich empfohlen, hat Professor Hans-Christoph Diener aus Essen bei einem Pressegespräch berichtet, zu dem das Unternehmen Boehringer Ingelheim am Rande des Neurologen-Kongresses in Wiesbaden eingeladen hatte.

Patienten mit einem Rezidivrisiko von über vier Prozent pro Jahr, die keine arterielle Verschlußkrankheit haben, sollten zweimal täglich 25 mg ASS in der fixen Kombination mit 200 mg retardiertem Dipyridamol (Aggrenox®) erhalten. Denn die Kombitherapie senket das Rezidivrisiko wesentlich stärker als die ASS-Monotherapie, wie die ESPS-2-Studie ergeben hat, sagte Diener.

In der Studie war das Rezidivrisiko im Vergleich zu Placebo mit ASS um 18 Prozent und mit der Kombination um 37 Prozent gesenkt worden. Die Sekundärprophylaxe mit Clopidogrel (75 mg pro Tag) wird in den Leitlinien für Patienten empfohlen, die ein hohes Rezidivrisiko und zusätzlich eine periphere arterielle Verschlußkrankheit haben. Clopidogrel ist zudem die Alternative für Patienten, die ASS nicht vertragen oder bei denen die Substanz kontraindiziert ist.

Patienten, die unter ASS ein Ulcus ventriculi oder ein Ulcus duodeni entwickeln, sollte zusätzlich ein Protonenpumpenhemmer gegeben werden.

Die Kombination von ASS plus Clopidogrel habe das Rezidivrisiko nicht besser gesenkt als die Clopidogrel-Monotherapie. Jedoch sei das Risiko für Blutungen unter der Kombinationsbehandlung deutlich gestiegen. Das hat die MATCH-Studie gezeigt, erinnerte Diener. Die Kombination sei allerdings eine Option für Patienten mit Schlaganfall oder TIA und akutem Koronarsyndrom. Sie sollten für drei Monate mit 75 mg ASS plus 75 mg Clopidogrel behandelt werden.

Zur Wirksamkeit der Thrombozyten-Funktionshemmer liegen bislang Studiendaten über maximal vier Jahre vor. Theoretisch ist jedoch eine lebenslange Prophylaxe sinnvoll, eine solche wird daher auch in Leitlinien empfohlen.

Kommt es unter der Prophylaxe mit ASS zu einem erneuten Schlaganfall oder einer TIA, sollte das Rezidivrisiko erneut abgeschätzt werden. Ist dieses unverändert, wird die Therapie mit ASS fortgesetzt. Bei erhöhtem Risiko wird die Therapie umgestellt. Findet sich eine kardiale Emboliequelle, wird mit oralen Antikoagulantien therapiert.

Leitlinien zur Schlaganfall-Therapie können über das Unternehmen Boehringer Ingelheim angefordert werden, und zwar unter der Service-Rufnummer 0 18 05 / 77 90 90 oder Fax: 0 61 32 / 72 99 99.

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