Ärzte Zeitung, 01.09.2006

Schlaganfall-Patienten üben mit Laufsimulator

Rehabilitation nach Apoplex / Gerät erlaubt weltweit erstmals Gangbewegungen mit vollständiger Führung des Fußes

Von Ramona Ehret

Jährlich erleiden in Deutschland über 200 000 Menschen einen Schlaganfall. Die meisten müssen danach mit Lähmungen bis hin zu einem vollständigen Verlust der Motorik zurechtkommen, bleiben auf einen Rollstuhl und bei nahezu allen täglichen Verrichtungen auf Pflegekräfte angewiesen.

Ein Mann übt auf dem robotergestützten Laufsimulator HapticWalker. Das Gerät erleichtert Schlaganfall-Patienten die Rehabilitation. Foto: privat

Die einzige Chance, die Schädigung des zentralen Nervensystems zu verringern, besteht in einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung. Das gilt ebenso für Patienten nach Schädel-Hirn-Trauma oder mit Querschnittlähmung: Alltägliche Bewegungen wie Laufen und Treppensteigen, aber auch Greifen, Essen, Trinken und Schreiben müssen sie neu erlernen. Dies ist möglich, da gesunde Areale in Gehirn und Rückenmark in der Lage sind, die ausgefallenen Funktionen schrittweise zu übernehmen.

Beim Gangtraining muß ein Patient von zwei bis drei Therapeuten angeleitet werden. Sie führen seine Beine und Füße gemäß der natürlichen Gangbewegung. Synchron dazu stützen und führen sie den Oberkörper. Und dies nur auf einer geraden Ebene. Das Treppensteigen zum Beispiel kann aus praktischen Gründen nicht trainiert werden.

Hier setzen moderne Rehabilitationstechnologien an: Die neueste Entwicklung einer interdisziplinären Berliner Forschungsgruppe ist der robotergestützte Laufsimulator HapticWalker. Mit einem solchen Gerät kann der Patient Bein- und Armbewegungen unter Kontrolle bringen und im Beisein eines Physiotherapeuten beliebig oft und mit stets korrekter Bewegungsführung üben.

Der HapticWalker erlaubt weltweit erstmalig Gangbewegungen mit der erforderlichen vollständigen Führung des Fußes. Der physiologische Gang wird dabei naturgetreu nachgeahmt. Auch das therapeutisch wichtige Stolpern oder Ausrutschen kann durch die hohe Dynamik der Antriebe geübt werden. Je nach Lernfortschritt bewirken neuartige Regelalgorithmen zudem, daß die Unterstützung des Patienten immer mehr reduziert wird.

Verschiedene internationale klinische Studien haben bereits die Wirksamkeit robotergestützter Trainingsgeräte nachgewiesen: Die Ergebnisse sind denen der konventionellen Therapie mindestens gleichwertig, einige sogar signifikant besser. Derzeit wird über die Verbindung mit der Telemedizin sowie Virtual Reality nachgedacht.

In der interdisziplinären Berliner Forschungsgruppe "HapticWalker" arbeiten Ärzte, Ingenieure, Informatiker und Physiotherapeuten der Charité, von Fraunhofer IPK sowie der Technischen Universität Berlin. Sie entwickeln und erproben seit sieben Jahren robotergestützte Übungsgeräte für die motorische Arm- und Gangrehabilitation.

In der Arbeitsgruppe Rehabilitationstechnologien des Zentrums für innovative Gesundheitstechnologie (ZiG) kooperieren Mitglieder dieser Gruppe mit weiteren Beteiligten der Technischen Universität und suchen nach weiteren zukunftsträchtigen Lösungen.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr.-Ing. Marc Kraft, Zentrum für innovative Gesundheitstechnologie an der TU Berlin, Fachgebiet Medizintechnik, Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-23388, E-Mail: marc.kraft@tu-berlin.de, Internet:: www.hapticwalker.de, www.zig-berlin.de

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