Ärzte Zeitung, 26.09.2006

Leitlinie bei zerebraler Ischämie wird aktualisiert

Bisherige Empfehlungen bleiben gültig / Studie stützt Regelungen / Risiko bestimmt Wahl der Arzneimittel

MANNHEIM (cin). Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur Sekundärprävention der zerebralen Ischämie werden derzeit aktualisiert. Die bisherigen Empfehlungen bleiben gültig. Denn sie werden durch Ergebnisse einer neuen Studie zur Therapie mit ASS/Dipyridamol, der ESPRIT-Studie, weiter untermauert.

Das hat Professor Hans-Christoph Diener vom Universitätsklinikum Essen bei der Neurowoche 2006 in Mannheim betont. Grundlage der Sekundärprophylaxe sind wie bisher die Thrombozytenfunktionshemmer. Es ist erwiesen, daß sie das Rezidivrisiko senken, so Diener bei einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim.

Die Therapie richtet sich dabei nach der Höhe des Rezidivrisikos. Das wird etwa mit dem Essen-Risiko-Score ermittelt, der wichtige zerebrale Risikofaktoren berücksichtigt: Bei einem Risiko unter vier Prozent pro Jahr genügt eine Prophylaxe mit 50 bis 150 mg ASS pro Tag.

    Statintherapie bei TIA und Insult wird aufgenommen.
   

Patienten mit einem Risiko ab vier Prozent sollten 50 mg ASS plus 400 mg Dipyridamol in retardierter Form (Aggrenox®) erhalten. Besteht bei erhöhtem Risiko für einen Schlaganfall zudem eine arterielle Verschlußkrankheit, ist Clopidogrel das Mittel der Wahl.

Der Nutzen von Clopidogrel für Patienten mit arterieller Verschlußkrankheit ist vor kurzem auch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) bestätigt worden (wir berichteten).

Der Vorteil der Therapie mit ASS plus Dipyridamol wurde zunächst in der ESPS 2-Studie (European Stroke Prevention Study 2) belegt. Die neue ESPRIT-Studie (European Australasien Stroke Prevention in Reversible Ischaemia Trail) hat das Ergebnis weiter erhärtet: Innerhalb von 3,5 Jahren wurde eine relativ verminderte Rezidivrate von 20 Prozent mit der ASS-Dipyridamol-Kombi im Vergleich zu ASS allein erzielt (13 versus 16 Prozent).

Weiterhin sei jetzt bei der Sekundärprävention der Nutzen der Statintherapie bei Risikopatienten mit der SPARCL-Studie (Stroke Prevention by Aggressive Reduction in Cholesterol Levels) belegt worden, erinnerte der Neurologe. Mit der Statin-Therapie ist eine relative Verminderung der Rezidivrate um 20 Prozent erreicht worden (11 Prozent mit Atorvastatin versus 13 mit Placebo). Nach transitorisch ischämischer Attacke (TIA) und Insult wird deshalb in den aktualisierten Leitlinien eine Statintherapie empfohlen.

Weitere Infos: www.dgn.org

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