Ärzte Zeitung, 15.09.2008

Lyse im Rettungswagen bei ischämischer Apoplexie erhöht die Chancen

Für Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall lohnt sich die Lyse während des Transports.

Patienten, die auf dem Weg von einem Regionalkrankenhaus in eine Spezialklinik gebracht werden, profitieren von Lysetherapie im Krankenwagen. Bei der Hälfte der Patienten mit Basilaris- oder Karotisverschluss fließt bei Ankunft in der Klinik bereits wieder genug Blut durch die Gefäße.

Beim Neurologen-Kongress hat Privatdozent Thomas Pfefferkorn vom Klinikum Großhadern in München ein Therapieprotokoll vorgestellt, das seit 2006 in München für den Transport von Schlaganfall-Patienten verwendet wird. Gelangen Apoplexie-Patienten zunächst in ein kooperierendes regionales Krankenhaus, und wird ein persistierender Basalis- oder Karotisverschluss per CT-Angiografie festgestellt, der eine intraarterielle Thrombolyse (IAT) oder eine endovaskuläre mechanische Thrombektomie erfordert, dann werden die Patienten in das Spezialzentrum nach München überführt.

Im Krankenwagen wird bereits eine intravenöse Thrombolyse mit rt-PA (0,9mg/kg Körpergewicht) versucht. Pfefferkorn stellte Daten von einer Untersuchung bei 19 Patienten vor, die nach diesem Protokoll in seine Klinik überführt wurden. Bei allen Patienten wurde bei der Aufnahme im Münchner Spezialzentrum zunächst erneut eine CT-Angiografie gemacht. Bei zehn der Patienten war durch die Thrombolyse im Krankenwagen bereits eine Rekanalisierung des verschlossenen Gefäßes erreicht worden, bei nur noch neun Patienten mussten die Thromben mechanisch entfernt werden. Davon verliefen sechs Eingriffe erfolgreich, bei drei Patienten scheiterte die Thrombektomie und sie starben.

Insgesamt waren drei Monate nach dem Schlaganfall zwei Drittel der so behandelten Patienten am Leben, bis auf zwei Patienten hatten alle nur leichte bis moderate Einschränkungen mit einem Wert von drei oder weniger Punkten auf der modifizierten Ranking Skala (mRS). "Die Transport-Lyse ist sicher, schnell und ermöglicht eine hohe Rekanalisierungsrate", so Pfefferkorn. Sie erhöhe die Chancen für eine rasche Öffnung der blockierten Gefäße. Durch die zwei CT-Angiografien könne es allerdings zu einem akuten Nierenversagen kommen. "Dieses Risiko muss man eingehen. Das Gehirn geht vor", sagte der Neurologe. (mut)

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