Thrombose/Schlaganfall

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Ärzte Zeitung online, 26.09.2008

Neue Therapie bei Schlaganfall - mit einem einfachen Spiegel

WIEN (dpa). Neue Erkenntnisse eines Teams um den Heidelberger Neurologen Professor Werner Hacke könnten mehr Menschen als bislang vor Lähmungen nach einem Schlaganfall bewahren. Demnach kann die Thrombolyse nach einem Hirninfarkt deutlich länger angewendet werden, als bisher angenommen. Das Team präsentierte die Studie auf dem 6. Weltschlaganfall-Kongress am Donnerstag in Wien.

Etwa 20 Millionen Menschen pro Jahr erleiden weltweit einen Schlaganfall. Für die meisten von ihnen gab es bislang wenig Hilfe, weil sie zu spät in eine Klinik kamen. Bislang, so Hacke, sei man davon ausgegangen, dass die Thrombolyse nur innerhalb von drei Stunden nach dem Schlaganfall wirksam sei. Es kämen aber "nur 25 Prozent der Schlaganfallpatienten binnen drei Stunden ins Spital". Etwa 85 Prozent aller Schlaganfälle werden durch Blutgerinnsel ausgelöst.

Nach der von Hacke unter anderem auch im "New England Journal of Medicine" publizierten Studie mit mehr als 800 Patienten zeigte sich jedoch, dass die Behandlung auch noch bis viereinhalb Stunden nach dem Auftreten der Symptome wirkt. Bei dieser Gruppe habe sich die Rate der Kranken mit einem guten Behandlungserfolg von rund 45 Prozent auf 52 Prozent erhöht. Durch die Auflösung des Gerinnsels wird der Blutfluss wiederhergestellt, wodurch stärkere Schäden im Gehirn verhindert werden können.

Allerdings gelte nach wie vor, dass die Behandlung innerhalb der ersten 90 Minuten nach dem Schlaganfall "doppelt so effektiv ist wie nach drei Stunden", meinte Hacke. Deshalb sei es wichtig, Patienten so schnell wie möglich in die entsprechenden Spezialeinheiten (Stroke Units) zu bringen.

Zu den häufigsten Schlaganfallfolgen zählen halbseitige Lähmungen, die mit einem japanischen Verfahren künftig vielleicht besser behandelt werden können. Dabei werde der Spiegel längs der Körpermitte des Patienten so aufgestellt, dass sich scheinbar gleichzeitig mit dem gesunden auch der kranke Fuß bewegt. Die bloße optische Illusion, dass sich das kranke Bein bewege, könne die Rehabilitation beschleunigen, berichtete Professor Kazu Amimoto von der Tokyo Metropolitan Universität in Wien.

Die Studie mit 14 Patienten zeige, dass diese optische Illusion die Beweglichkeit der kranken Körperhälfte sogar stärker verbessert als die direkte Stimulation der gelähmten Gliedmaßen. Der Erfolg der Behandlung von konventioneller oder Spiegeltherapie wurde jeweils mit dem erreichten Beugungswinkel des Fußgelenks sowie der Zeit gemessen, die Patienten mit dem jeweils gelähmten Bein für die Aufgabe brauchten. Ein Ergebnis: Die optische Illusion des sich scheinbar mitbewegenden Beins ergab, dass sich dessen tatsächliche Bewegung um mehr als zwölf Prozent beschleunigte.

Noch wichtiger als die akute Behandlungsmethoden sei jedoch die Prävention, meinte der kanadische Neurologe Professor Vladimir Hachinski: Man müsse auch bei Vorstufen des Schlaganfalls schon die entsprechende Therapie beginnen. "Nur bei einem Drittel der Schlaganfälle treten körperliche Symptome auf. In der Altersgruppe der 66-Jährigen hat schon jeder zehnte Mensch einen stummen (nicht erkannten) Schlaganfall gehabt." Anzeichen für solche Schlaganfälle könnten Denkstörungen, Depressionen oder auch ein Nachlassen der Fähigkeit zu komplexen Handlungen sein.

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