Thrombose/Schlaganfall

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Ärzte Zeitung, 16.07.2009

Schlaganfall: Zeitfenster für Lyse jetzt größer

Von einer Lysetherapie profitieren Schlaganfall- Patienten auch dann noch, wenn das zerebrovaskuläre Ereignis bereits 4,5 Stunden zurückliegt.

Von Wiebke Kathmann

Baden-Baden. Bisher galt für die Lyse ein Zeitfenster von drei Stunden nach dem Schlaganfall. Neuere Studiendaten zeigen nun, dass auch Patienten profitieren, die innerhalb von viereinhalb Stunden nach dem zerebrovaskulären Ereignis den rekombinanten Tissue Plasminogen Activator (rt-PA) erhalten.

Darauf hat Professor Dr. Horst Wiethölter aus Stuttgart jetzt beim MedCongress in Baden-Baden hingewiesen. Zwar nimmt die Zahl der Patienten, die behandelt werden muss, um erfolgreich zu lysieren (Number Needed to Treat), im Laufe der Zeit zu, dennoch bleibt ein klarer Nutzen.

Sind es im Zeitfenster zwischen 0 und 90 Minuten nur etwa vier Patienten, die lysiert werden müssen, um einen Erfolg zu erzielen, nimmt die Zahl im Zeitfenster zwischen 91 und 180 Minuten auf neun, im Zeitfenster zwischen 181 und 270 Minuten auf 21 und im Zeitfenster zwischen 271 und 360 Minuten auf 45 zu, wie anhand der Daten der Studien NINDS*, ECASS I und II** sowie ATLANTIS*** berechnet wurde.

Dennoch unterscheidet sich die Odds ratio zum Zeitpunkt drei Stunden nach dem Ereignis kaum von der nach 4,5 Stunden, wie Wiethölter sagte. Sie beträgt 1,5 und 1,4. Daher wurde der Antrag an die Ethikkommission gestellt, das zulässige Zeitfenster zu verlängern.

Wie der Neurologe betonte, kann es in bestimmten Fällen selbst noch später sinnvoll sein, eine Lyse zu machen. Dazu gehören Patienten, bei denen in der Bildgebung mit Stroke-MRT ein Missverhältnis zwischen Penumbra- und Infarktkerngröße gefunden wird. Ist die Penumbra groß, der Infarktkern aber klein, nützt die - dann häufig intraarterielle - Lyse selbst dann, wenn sie erst bis zu sechs Stunden nach dem Ereignis gemacht wird. Damit ist Zeit für diese außer den Basismaßnahmen wichtigste Therapieoption gewonnen, so Wiethölter. Seine Klinik zählt zu jenen in Deutschland, die viel Erfahrung hat. Deutschlandweit liegt die Rate der Schlaganfall-Patienten, die lysiert werden, bei fünf Prozent, in Wiethölters Klinik bei gut 12 Prozent.

* NINDS: National Institute of Neurological Disorders and Stroke

**ECASS: European Cooperative Acute Stroke Study

***ATLANTIS: Alteplase Thrombolysis for Acute Noninterventional Therapy in Ischemic Stroke

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