Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 05.03.2010

Stents auf dem Weg zur Schlaganfall-Therapie

Das Stenting intrakranieller Stenosen kann derzeit noch nicht als Standardprozedur empfohlen werden.

Von Thomas Meißner

BAD HOMBURG. Ob beim Stenting intrakranieller Stenosen Vor- oder Nachteile im Vergleich zur medikamentösen Schlaganfalltherapie bestehen, sei unklar, so Professor Roman Haberl aus München. Bis vor kurzem sei er noch ein Stent-Gegner gewesen, sagte Haberl vom Klinikum Harlaching beim ANIM-Kongress in Bad Homburg. Inzwischen sei er allerdings der Auffassung, dass in geschickten Händen die Methode hilfreich sein könne, wenn auch noch keine gesicherten Daten vorlägen. Infrage komme der Stent bei Patienten, die unter konservativer Behandlung immer wieder Rezidive bekommen.

ASS und Warfarin haben sich bei intrakraniellen arteriellen Stenosen von mehr als 50 Prozent als nicht ausreichend wirksam und sicher erwiesen. In der WASID*-II-Studie hatte nach 1,8 Jahren bei jeder der beiden Therapien mehr als jeder fünfte Teilnehmer einen Schlaganfall oder eine Blutung erlitten oder war gestorben. Bei Warfarin gab es signifikant mehr starke Blutungen, Myokardinfarkte oder Todesfälle als unter ASS.

Vor diesem Hintergrund wirken Schlaganfallraten von 4,5 Prozent nach einem Monat oder 9,5 Prozent sechs Monate nach Dilatation und Stenting wie ein großer Schritt nach vorn. Verwendet werden, nach Vordilatation des Gefäßes mit dem Katheter, selbstexpandierende Nitinol-Mikrostents (Wingspan-Technik). Allerdings sei die periprozedurale Komplikationsrate mit etwa zehn Prozent deutlich zu hoch, so Haberl.

Er verwies darauf, dass erfahrene Kollegen darunter blieben. Nach Daten des Wingspan-Registers liegt die Rate für Schlaganfall, Blutung oder Tod sechs Monate nach Stenting bei 14 Prozent. Dazu kommt eine Restenoserate von 25 Prozent, aber nicht alle Restenosen werden symptomatisch. In der seit 2008 laufenden Studie SAMMPRIS** wird die Stenttherapie bei Hochrisikopatienten mit Arzneitherapie verglichen. 760 Patienten sollen aufgenommen werden.

*WASID: Warfarin Aspirin Symptomatic Intracranial Disease. **SAMMPRIS: Stent Placement versus Aggressive Medical Management for the Prevention of Recurrent stroke in Intracranial Stenosis

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