Ärzte Zeitung online, 20.12.2011

CHADS2 verrät mehr als Schlaganfallrisiko

Bei Vorhofflimmern bietet der einfach zu erhebende sogenannte CHADS2-Score eine Hilfe, um das individuelle Schlaganfallrisiko eines Patienten abzuschätzen. Anscheinend lassen sich anhand dieses Scores aber auch noch andere Risiken gut beurteilen.

UPPSALA (ob). Der in Leitlinien zur Risikoabschätzung bei Vorhofflimmern empfohlene CHADS2-Score quantifiziert fünf für den Schlaganfall relevante Risikofaktoren: C steht dabei für Herzinsuffizienz (congestive heart failure), H für Hypertonie, A für Alter über 75 Jahre, D für Diabetes mellitus und S für Schlaganfall.

Die ersten vier Risikofaktoren werden jeweils mit einem Punkt bewertet, vorangegangene zerebrovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfall mit zwei Punkten. Maximal sind also sechs Punkte möglich. An der Höhe des CHADS2-Scores bemisst sich die Notwendigkeit einer antithrombotischen Behandlung.

Offenbar enthält der Score aber noch weitaus mehr prognostische Informationen. So ermöglicht er bei mit Antikoagulanzien behandelten Patienten auch Voraussagen zum Blutungsrisiko und zur Mortalität, wie Ergebnisse einer auf Basis der RELY-Studie vorgenommenen neuen Analyse belegen (Ann Intern Med 2011; 155: 660).

Weniger Blutungen

RELY lieferte bekanntlich den Nachweis, dass eine Gerinnungshemmung mit dem direkten Thrombinhemmer Dabigatran (Pradaxa®) der klassischen Antikoagulation mit einem Vitamin-K-Antagonisten klar überlegen ist.

In der niedrigeren Dosierung (zweimal 110 mg/Tag) reduzierte Dabigatran signifikant das Blutungsrisiko (bei gleicher Wirksamkeit) und in der höheren Dosierung (zweimal 150 mg/Tag) signifikant das Schlaganfallrisiko (bei gleichem Blutungsrisiko). Das Risiko für intrakranielle Blutungen wurde mit beiden Dabigatran-Regimen mehr als halbiert.

In ihrer neuen Substudie hat eine RELY-Forschergruppe um Dr. Jonas Olsen aus Uppsala die Daten der mehr als 18.100 Studienteilnehmer unter der Fragestellung analysiert, welche prognostische Bedeutung der initial erhobene CHADS2-Score für das Auftreten von Schlaganfällen oder systemischen Embolien, schweren oder intrakraniellen Blutungen sowie vaskulär bedingten Todesfällen hatte.

Hohes Schlaganfallsrisiko, hohes Blutungsrisiko

Anhand dieses Scores wurde bei 5775 Teilnehmern ein niedriges (Score 0-1), bei 6455 ein mittleres (Score 2) und bei 5882 ein hohes Schlaganfallrisiko (Score 3-6) festgestellt. Die in diesen drei Risikogruppen unter Antikoagulation tatsächlich beobachteten Schlaganfallraten lagen bei 0,93, 1,22 und 2,24 Prozent pro Jahr.

Je höher das Schlaganfallrisiko, desto höher war auch das Blutungsrisiko: Die jährlichen Inzidenzraten für schwerwiegende Blutungskomplikationen in den drei CHADS2-Risikogruppen betrugen 2,26, 3,11 und 4,42 Prozent und die entsprechenden Raten für intrakranielle Blutungen 0,31, 0,40 und 0,61 Prozent.

Der Score korrelierte zudem direkt mit einer graduellen Zunahme von vaskulären Todesfällen: Die jährlichen Raten für die vaskuläre Mortalität in den drei Gruppen mit niedrigem, mittlerem und hohem Risiko lagen bei 1,35, 2,39 und 3,68 Prozent.

[21.12.2011, 17:13:50]
Dr. Bruno Josef Schotters 
Was oft vergessen wird
Bei den neuen Gerinnungshemmern (Thrombozytenaggredations-,Thrombin- und Xa-Faktor-Inhibitoren) ist zwar die Wirksamkeit gut belegt, jedoch werden Kontraindikationen wegen zu hohen Alters ( >70, und die meisten Patienten, die einer Antikoagulation bedürfen, befinden sich in der Gruppe der über 70-75 Jährigen) oft nicht klar genug herausgestellt. Weiter ist zu bedenken, daß es bisher keine Antidots gibt. Meines Wissens wird in Holland an einem Antidot gegen Thrombinhemmer gearbeitet, steht aber noch nicht zur Verfügung. Der Goldstandard dürfte vorerst noch bei dem guten alten Warfarin bzw. Phenprocoumon mit all seienen Nachteilen (Kontrollen, Interaktionen) liegen. zum Beitrag »

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