Ärzte Zeitung, 30.11.2012

Nach Schlaganfall

Beweglicher dank Betäubung

Nach einem Schlaganfall sind oft die motorischen Fähigkeiten der Patienten stark eingeschränkt. In Jena setzen die Kollegen auf eine spezielle Therapie - mit Erfolg.

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Beim "Taubschen Bewegungstraining" wird der gesunde Arm des Patienten in einer Manschette fixiert, während Arm und Hand, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, intensiv feinmotorische Aufgaben trainieren.

© Jan-Peter Kasper/FSU

JENA. Psychologen und Mediziner der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Universitätsklinikums Jena konnten jetzt zeigen, dass Anästhetika auch bei der Therapie von Schlaganfallpatienten von hohem Nutzen sein können.

In einer aktuellen Publikation stellen die Forscher die Ergebnisse einer Studie vor, die belegt, dass durch eine Lokalanästhesie die motorischen Fähigkeiten von Patienten nach einem Schlaganfall deutlich verbessert werden können (Journal of Neuroscience Vol. 32 (34): 11773-11779).

Im Fokus: Feinmotorische Aufgaben

"Viele Schlaganfallpatienten leiden unter Lähmungen etwa einer Hand oder des gesamten Armes", wird Professor Thomas Weiß in einer Pressemitteilung der Universität zitiert.

Der Psychologe vom Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie der Jenaer Universität arbeitet gemeinsam mit Fachkollegen sowie Neurologen des Jenaer Uniklinikums bereits seit einigen Jahren sehr erfolgreich mit einer speziellen Trainingstherapie, die die Beweglichkeit von Patienten nach einem Schlaganfall deutlich verbessert.

Beim "Taubschen Bewegungstraining" - auch "Constraint- Induced Movement Therapy" (CIMT) genannt - wird der gesunde Arm der Patienten in einer Manschette vollständig fixiert, während Arm und Hand, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, intensiv feinmotorische Aufgaben trainieren.

Beispielsweise stapeln die Patienten kleine Bauklötzchen aufeinander oder stecken winzige Pins in ein Lochbrett. Auch Alltagstätigkeiten wie Händewaschen oder Trinken aus einer Tasse stehen auf dem Übungsprogramm.

"Beinahe jeder Betroffene profitiert von diesem Training", berichtet Weiß‘ Kollege Professor Wolfgang Miltner in der Mitteilung.

Er hat das Training gemeinsam mit amerikanischen Kollegen entwickelt und verweist auf umfangreiche Studien zur Effizienz des Programms.

"Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit unseren Kollegen aus der Psychologie diese Therapie in der neurologischen Tagesklinik bei vielen Patienten durchführen können", ergänzt der Direktor der Klinik für Neurologie, Professor Otto Witte.

Anästhetikum steigert Wirksamkeit

Wie das Team nun zeigen konnte, lässt sich die Wirksamkeit des Trainings deutlich steigern, wenn die Sensitivität des bewegungseingeschränkten Armes während des Trainings durch ein Anästhetikum herabgesetzt wird.

In ihrer Studie haben die Forscher 36 Patienten untersucht. Während die eine Hälfte der Patienten ein Lokalanästhetikum in Form einer Salbe auf den gelähmten Unterarm aufgetragen bekam, erhielt die andere Patientengruppe lediglich ein Placebo.

Anschließend absolvierten beide Patientengruppen einen Tag lang das Bewegungstraining. "Wie erwartet, hat sich die Beweglichkeit bei allen Patienten deutlich verbessert", nennt Weiß ein Ergebnis.

"Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass die Patienten, die das Anästhetikum erhalten haben, noch einmal deutlich mehr profitieren als die Placebo-Gruppe", so Weiß.

Die Ursache für den Effekt konnten die Forscher in Magnetenzephalogramm-Aufnahmen (MEG) sichtbar machen.

Wie die Aufnahmen zeigen, führt das temporäre Ausschalten der Nervenreize aus dem Unterarm dazu, dass auch die Aktivität in den Hirnarealen abnimmt, die diese Reize verarbeiten.

"Gleichzeitig kommt es aber zu einer stärkeren Aktivierung benachbarter Hirnregionen", so Weiß. So reagiere das Gehirn auf ausbleibende Reize aus dem Unterarm mit einer gesteigerten Sensitivität in der Hand, in deren Folge sich auch die motorischen Fertigkeiten verbessern. "Dieser Prozess setzt innerhalb von Minuten ein", so Weiß. (eb)

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