Ärzte Zeitung, 04.06.2013

Bis zu 25 Minuten schneller

Schlaganfallmobil erregt international Aufsehen

Ein Schlag gegen die Folgen des Schlaganfalls ist in Berlin gelungen. Mit einem speziell ausgestatteten Rettungsfahrzeug können Schlaganfallpatienten deutlich schneller als bisher behandelt werden.

Von Angela Mißlbeck

Schlaganfallmobil erregt international Aufsehen

An Bord hat das STEMO unter anderem ein CT, ein Minilabor und speziell geschultes Personal.

© Charité - Universitätsmedizin Berlin

BERLIN. Wie ein normaler Berliner Rettungswagen wirkt das Stemo (Stroke-Einsatz-Mobil) auf den ersten Blick. Doch an Bord sind Computertomograf, Minilabor, speziell geschultes Rettungspersonal und ein Neurologe mit Notarztqualifikation.

Mit dieser Ausstattung war das Stemo 21 Monate lang in den zentralen Regionen Berlins unterwegs. Ein Rettungswagen erreicht dort mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit innerhalb einer Viertelstunde nach Anruf den Einsatzort.

Das Stemo fuhr im wöchentlichen Wechsel mit einem normalen Rettungswagen. Im Rahmen der Studie wurden mehr als 7000 Schlaganfallpatienten versorgt. Mit dem Stemo wurden die Patienten deutlich schneller behandelt und erhielten häufiger eine Lyse.

Das sind die zentralen Studienergebnisse, mit denen die Forschergruppe um den Neurologen Professor Heinrich Audebert von der Berliner Uniklinik Charité bei der European Stroke Conference in London großes internationales Interesse weckte.

Lyserate steigt deutlich

Die Lyserate lag nach Angaben der Forscher bei der herkömmlichen Behandlung im Krankenhaus in der Studie bei 21 Prozent - im Bundesdurchschnitt sind es rund zehn Prozent. Mit dem Stemo wurde sie auf 33 Prozent gesteigert.

Dabei sank die Zeit vom Notruf bis zur Therapie um 25 Minuten. Die Versorgung im Stemo beschreiben die Forscher als sicher und zuverlässig. Es gab weder mehr Blutungen oder frühe Todesfälle noch einen Ausfall der Geräte.

Medizinisch weckt die Beschleunigung der Schlaganfallversorgung große Erwartungen: "Diese frühzeitige Versorgung kann die Tür öffnen für neue Behandlungen, die nur wirksam sind, wenn man sie sehr früh gibt", sagte der Neurologiechef der Charité Professor Matthias Endres bei der Präsentation der Studienergebnisse.

Auch technologisch und versorgungspolitisch ist das Projekt nicht zu unterschätzen. Charité-Chef Professor Karl Max Einhäupl und die Berliner Forschungssenatorin Cornelia Yzer zeigten sich einig in der Überzeugung, dass das Stemo ein Berliner Referenzprojekt von internationaler Bedeutung ist.

Yzer kündigte an, dass das Land Berlin die Forschung am Stemo weiterhin finanzieren wird. Dabei soll die gesundheitsökonomische Dimension beleuchtet werden, um zu klären, wie das Stemo in die Regelversorgung überführt werden kann.

Gute Kooperation mit Leitstelle

Rund 5000 bis 6000 Schlaganfallpatienten könnten davon in Berlin pro Jahr profitieren, schätzt Studienleiter Audebert. Die Einführung des Stemo hat in Berlin die Schlaganfallversorgung nach seiner Darstellung bereits insgesamt verbessert.

2010 stellten die Forscher fest, dass vom Notruf bis zum Behandlungsbeginn in der Klinik durchschnittlich mehr als anderthalb Stunden vergingen. In der Vergleichsgruppe der Studie war die Zeit bereits auf 77 Minuten gesenkt.

"Das Projekt hat schon allein durch seine Existenz zu einer Verbesserung der Versorgung geführt", so Audeberts Fazit. Das Stemo ist ein Gemeinschaftswerk der Charité, der Berliner Feuerwehr und der Firmen Meytec und Brahms.

Doch eines steht fest: Auf sich allein gestellt kann das Stemo die Versorgung kaum verbessern. "So ein Fahrzeug funktioniert nur, wenn es in eine funktionierende Rettungsstruktur eingebunden ist", sagte Audebert.

Mit gezielten Fragen ermitteln die Leitstellen in Berlin bei einem Notruf, ob Verdacht auf akuten Schlaganfall besteht.

59 Prozent der Patienten, zu denen das Stemo kam, hatten tatsächlich einen Schlaganfall erlitten, die meisten anderen einen anderen neurologischen Notfall, berichtete Audebert. Gut die Hälfte der Schlaganfälle hat die Leitstelle erkannt.

Während das Stemo im Einsatz war, seien oft noch weitere Anforderungen gekommen. "Das zeigt, dass ein Bedarf da ist, mehr zur Verfügung zu stellen", so Audebert.

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