Thrombose/Schlaganfall

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Ärzte Zeitung, 10.06.2014

Frauen mit Schlaganfall

Das Alter macht den Unterschied

Frauen haben nach einem Schlaganfall eine höhere Mortalität und Morbidität als Männer. Das liegt nach Daten aus Österreich vor allem am höheren Alter betroffener Frauen. Wird das berücksichtigt, ist die Sterberate sogar geringer.

Von Thomas Müller

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Im Pflegeheim: Frauen sind bei einem ersten Schlaganfall in der Regel knapp acht Jahre älter als Männer.

© Britta60 / fotolia.com

ISTANBUL. Inzwischen mangelt es nicht an Erklärungsmöglichkeiten für die schlechtere Prognose bei Frauen mit Schlaganfall: Frauen sind in der Regel älter als Männer, wenn sie einen Schlaganfall erleiden, sie leben dann eher allein zu Hause, weil sie ihren Partner bereits überlebt haben.

Das führt vermutlich dazu, dass der Notarzt häufig zu spät alarmiert wird. Doch auch eine andere Symptomatik bei Frauen mit Schlaganfall und eine schlechtere präventive und akute Therapie werden immer wieder als Ursachen diskutiert.

Neue Daten aus Österreich deuten jedoch in eine andere Richtung. Werden Alter und damit zusammenhängende Faktoren wie die Morbidität vor dem Schlaganfall berücksichtigt, dann sind die Geschlechterunterschiede gar nicht mehr so groß, wurde beim europäischen Neurologenkongress in Istanbul berichtet.

Ein Team um Dr. Thomas Gattringer von der Universität in Graz hat für die Analyse Angaben zu über 47.000 Patienten mit Schlaganfall oder transitorisch ischämischen Attacken (TIA) ausgewertet, die zwischen 2005 und 2012 in den österreichischen Stroke Units behandelt wurden.

Diese decken etwa zwei Drittel der Apoplexie-Patienten in der Alpenrepublik ab. Knapp die Hälfte der Daten (47 Prozent) stammte von Frauen. Jeweils knapp ein Viertel der Männer und Frauen wurde mit einer TIA in die Stroke Unit eingeliefert, sagte Gattringer beim Kongress.

Wie sich herausstellte, waren Frauen bei einem Schlaganfall oder einer TIA im Schnitt 7,6 Jahre älter als Männer (77,9 versus 70,3 Jahre), fast doppelt so viele Frauen zeigten schon vor dem Ereignis einen erheblichen Behinderungsgrad (mRS 3-5 bei 17,4 versus 9,2 Prozent), auch waren die Symptome bei der Klinikaufnahme etwas schwerer als bei Männern (NIHSS-Wert von 4 versus 3).

Altersadjustiert geringere Mortalität

Praktisch keine Unterschiede gab es hingegen bei der Akutversorgung: Die Lyserate betrug bei beiden Geschlechtern 14,5 Prozent, auch die Zeit bis zur Lyse in der Klinik war mit 49 Minuten (Frauen) und 48 Minuten (Männer) ähnlich. Die Zeit vom Symptombeginn bis zur Klinikaufnahme war bei Frauen im Schnitt sogar fünf Minuten kürzer als bei Männern - auch hier also keine große Differenz.

Schauten sich die Neurologen um Gattringer nun den Zustand der Patienten nach 90 Tagen an, was allerdings nur bei etwa 40 Prozent möglich war, dann ergab sich auch hier das bekannte Bild: Mehr Frauen als Männer waren gestorben (14 versus 8,6 Prozent), der Behinderungsgrad der überlebenden Frauen war höher (mRS von 3-5 bei 33 versus 23 Prozent) und Frauen mussten anschließend häufiger in eine Pflegeeinrichtung.

Diese Unterschiede relativierten sich jedoch, wenn Faktoren wie Alter, Schlaganfallstärke und Behinderungsgrad vor dem Ereignis berücksichtigt wurden. Dann war die Sterberate bei Frauen sogar um etwa 30 Prozent geringer als bei Männern.

Schließlich schauten sich Gattringer und Mitarbeiter noch die Versorgung vor und nach dem Ereignis genauer an. Hierbei gab es ebenfalls keine signifikanten Unterschiede bei der Neuro-Rehabilitation und bei der Therapie mit Antikoagulanzien, lediglich Statine bekamen Frauen seltener (55 versus 64 Prozent), allerdings hatten sie auch seltener eine Hypercholesterinämie (51 versus 57 Prozent).

Insgesamt, so der Neurologe, werden in Österreich Frauen mit Schlaganfall ähnlich gut versorgt wie Männer.

Dies scheint aber nicht in allen europäischen Ländern der Fall zu sein. In den Niederlanden ergab eine vor kurzem publizierte Studie, dass Frauen mit Apoplexie eine halbe Stunde später in die Klinik kommen als betroffene Männer.

Auch war der Unterschied beim Alter in vielen anderen Studien mit vier bis fünf Jahren deutlich geringer als in der österreichischen Analyse. Damit ließ sich der Gendergap meist nicht ausreichend erklären.

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