Ärzte Zeitung, 17.06.2014

Apoplexiegefahr

ABI toppt CIMT und Kalk-Score

Der einfach zu messende Knöchel-Arm-Index sagt das Schlaganfallrisiko besser voraus als der Verkalkungsgrad der Herzgefäße und die Intima-Media-Dicke der Karotiden.

Von Thomas Müller

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Bestimmung des ABI: Der Parameter ist ein guter Schlaganfallrisiko-Indikator.

© Dr. Matthias Eberhardt / Arteria Photography

ISTANBUL. Viel Kalk in koronaren Gefäßplaques hat sich auch als unabhängiger Schlaganfall-Risikofaktor erwiesen. In der Essener Heinz-Nixdorf-Recall-Studie konnte der mittels EBCT* gemessene koronare Kalk-Score (CAC**) das Schlaganfallrisiko vor allem bei Patienten mit niedrigem Framingham-Wert gut vorhersagen - also wo man ein eher niedriges Risiko attestieren würde.

Bei kardialen Ereignissen erwies sich in der Essener Studie der CAC-Score zudem als besserer Prädiktor als der Knöchel-Arm-Index (ABI) oder die Intima-Media-Dicke der Karotiden (CIMT***), hat Diplompsychologin Janine Gronewold vom Uniklinikum Essen berichtet.

Ob der CAC-Score den anderen Prädiktoren beim Schlaganfallrisiko ebenfalls überlegen ist, war bislang aber unklar. Auf dem europäischen Neurologenkongress hat Gronewold nun auch Daten der Studie zu dieser Frage vorgestellt. Und danach ist die Blutdruckmessung an Arm und Knöcheln weit aussagekräftiger als der Kalkgehalt der Herzgefäße.

Die Forscher hatten bei knapp 3300 Bewohnern aus dem Ruhrgebiet ohne KHK und bekannte Schlaganfälle den CAC-Score sowie die CIMT- und ABI-Werte bestimmt. Zu Beginn waren die Teilnehmer etwa 60 Jahre alt. Binnen neun Jahren wurden 84 Schlaganfälle registriert.

Wie sich zeigte, unterschieden sich spätere Schlaganfallpatienten bei den drei Messwerten schon zu Beginn deutlich von solchen ohne Schlaganfälle. So war bei denjenigen mit Schlaganfall der CAC-Score im Schnitt wesentlich höher (87 vs 12 Hounsfield-Einheiten), der ABI deutlich niedriger (1,02 vs 1,14) und die CIMT signifikant größer (0,75 vs 0,67 mm).

Hohes Risiko bei drei auffälligen Werten

Wurden jedoch in diversen Berechnungen Alter, Hypertonie sowie andere zerebrovaskuläre Risikofaktoren berücksichtigt, so ergab sich für den ABI die höchste Vorhersagekraft: Auffällige Werte gingen hier mit einem knapp 50 Prozent erhöhten Schlaganfallrisiko einher, bei erhöhten CIMT-Werten war das Risiko nur um 27 Prozent erhöht, bei erhöhten CAC-Werten um 25 Prozent.

Allerdings ergänzten sich die Messwerte recht gut. Besonders hoch ist das Risiko folglich, wenn alle drei Werte auffällig sind.

Nach den Leitlinien der American Heart Association (Circulation 2012; 126: 2890-2909) sollte bei der ABI-Bestimmung unter anderem beachtet werden, dass der Patient vor der Messung bei Raumtemperatur (19 bis 22°C) für 5 bis 10 Minuten auf dem Rücken ruht (Kopf und Fersen werden unterstützt) und dass er wenigstens zwei Stunden vor der Untersuchung nicht geraucht hat.

Die Breite der Manschette sollte der Größe der Extremität angepasst sein und wenigstens 40 Prozent des Umfangs der Extremität ausmachen.

Beim Messen wird die 8- bis 10-MHz-Sonde in dem Gebiet des Pulses in einem Winkel von 45 bis 60° auf der Haut platziert. Sie sollte kreisförmig bewegt werden, bis das beste Signal gehört wird. Die Bestimmung des Arm-Blutflusses bei der Druckmessung des Armes sollte ebenfalls mit dem Doppler erfolgen.

*) Electron Beam Computed Tomography
**) Coronary Artery Calcium
***) Carotid Intima-Media Thickness

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