Ärzte Zeitung, 06.08.2014

Rückläufige Inzidenz

Schlaganfall verliert an Schrecken

In den Industrieländern haben jüngere Patienten nach einem Schlaganfall bessere Überlebenschancen. Die Inzidenz des Schlaganfalls ist nur bei Älteren rückläufig.

Schlaganfall verliert an Schrecken

Die Schlaganfall-Gefahr sinkt: Bessere Kontrolle von Risikofaktoren und bessere medizinische Versorgung zahlen sich aus.

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BALTIMORE. In den Industrienationen gehen Inzidenz und Mortalität beim Schlaganfall seit drei Dekaden deutlich zurück. Bestimmte Altersgruppen profitieren besonders.

Das ermittelten US-Forscher aus Baltimore in einer Langzeitanalyse der prospektiven ARIC-Kohortenstudie (JAMA 2014; 312(3): 259-268).

Die über 14.300 Teilnehmer waren zwischen 1987 und 1989 im Alter von 45 bis 64 Jahren aufgenommen worden und werden seither in regelmäßigen Abständen befragt und untersucht. 1051 Personen hatten einen ersten Schlaganfall, knapp 90 Prozent davon einen ischämischen Infarkt, 58 Prozent der Schlaganfallopfer sind gestorben.

Wie sich zeigte, ging pro Dekade die altersadjustierte Schlaganfallinzidenz um etwa 30 Prozent zurück. Davon profitieren fast nur Teilnehmer über 65 Jahren, bei den jüngeren blieb die Inzidenz weitgehend konstant.

Etwas geringer war der Rückgang bei der altersadjustierten Sterberate nach einem Schlaganfall: Dieser lag bei etwa 20 Prozent pro Dekade. In absoluten Zahlen starben von 100 Schlaganfallopfern innerhalb von 10 Jahren 8 weniger an den Folgen des Infarktes oder anderen Gründen.

Diese Entwicklung kam wiederum hauptsächlich den Jüngeren zugute: Bei ihnen fiel die Gesamtsterberate nach dem Infarkt pro Dekade um 35 Prozent, bei über 65-Jährigen blieb sie konstant.

30-Tages-Mortalität sank bei den unter 65-Jährigen pro Dekade

Aussagekräftiger ist die Ein-Jahres-Mortalität nach Schlaganfall: Sie reduzierte sich bei den Jüngeren pro Dekade sogar um knapp die Hälfte, bei den Älteren blieb sie konstant.

Die 30-Tages-Mortalität sank bei den unter 65-Jährigen pro Dekade etwas mehr als die Hälfte, bei den über 65-Jährigen nahm sie um etwa 50 Prozent ab.

Insgesamt scheint die Gefahr von Schlaganfall und Schlaganfall mit Todesfolge in allen Altersgruppen zurückzugehen. Bei den über 65-Jährigen ist vor allem eine sinkende Inzidenz der Grund: Schlaganfälle sind seltener, doch wenn der Insult eintritt, ist das Sterberisiko eher größer als früher.

Umgekehrt bei den unter 65-Jährigen: Bei fast unverändertem Schlaganfallrisiko sind die Überlebenschancen besser geworden. Inzidenz und Mortalität bei Männern und Frauen unterschieden sich kaum.

Die Autoren führen die rückläufige Schlaganfallinzidenz auf eine bessere Kontrolle von Risikofaktoren zurück. Dazu gehören Rauchen, Blutdruck und Cholesterinwerte.

Die insgesamt gestiegenen Überlebenschancen beruhen wohl auf einer besseren medizinischen Versorgung von Infarktopfern. (mut)

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