Ärzte Zeitung, 19.10.2016

Schlaganfall unter 50

Hohes Risiko bleibt

Ein ischämischer Schlaganfall vor dem 50. Lebensjahr geht auch mehr als ein Jahrzehnt später noch mit einer erhöhten kardiovaskulären Ereignisrate einher. Die Höhe des Risikos hängt von der Schlaganfallursache ab.

Von Beate Schumacher

HELSINKI. Patienten, die als junge Erwachsene einen Schlaganfall durchgemacht haben, sind vor allem in den ersten fünf Jahren gefährdet, ein weiteres kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden. Aber auch über einen Zeitraum von 15 Jahren besteht noch ein erhöhtes Risiko, haben finnische Ärzte festgestellt. Auf Basis des Helsinki Young Stroke Registry haben sie die Langzeitprognose für arterielle und venöse Komplikationen und deren Abhängigkeit von der Schlaganfallätiologie untersucht (Neurology 2016; 86: 1872-1879).

In der Analyse wurden 970 Patienten berücksichtigt, die von 1994 bis 2007 im Alter zwischen 15 und 49 Jahren einen ersten ischämischen Insult erlitten und mindestens 30 Tage überlebt hatten. Während der Nachbeobachtungszeit von median zehn Jahren hatten 283 von ihnen (29 Prozent) erneut ein kardiovaskuläres Ereignis. Mindestens eine arterielle Komplikation gab es bei 264 (27 Prozent) und mindestens eine venöse bei 23 Patienten (2 Prozent). 152 (16 Prozent) Patienten starben.

Das 15-Jahres-Risiko für ein beliebiges vaskuläres Ereignis erreichte damit 35,7 Prozent. Die Inzidenzraten gingen mit der Zeit zurück: Nach 5, 10 und 15 Jahren erreichten sie 44, 37 und 34 pro 1000 Patientenjahre. Dabei war die Rate arterieller Komplikationen etwa neunmal höher als die von venösen (34 vs. 4 Prozent). Schlaganfälle und kardiale Ereignisse traten etwa gleich häufig auf (15,5 bzw. 16,4 pro 1000 Patientenjahre). Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen waren erwartungsgemäß besonders gefährdet. Die Langzeitinzidenz von Herz-Kreislauf-Komplikationen lag bei ihnen rund viermal so hoch wie bei Patienten ohne eine solche Vorgeschichte.

Die Krankheitslast variierte außerdem in Abhängigkeit von der Schlaganfallursache. Die mit 107 pro 1000 Personenjahre höchste 15-JahresInzidenz an Gefäßkomplikationen hatten Patienten mit Hochrisiko-Kardioembolien. Unter Berücksichtigung von Alter und Geschlecht lag ihr langzeitiges Gefäßrisiko 3,7-mal so hoch wie in der Referenzgruppe mit Schlaganfällen unklarer Ursache.

Als Kardioembolien mit hohem Risiko galten alle, die nicht auf ein offenes Foramen ovale oder ein alleiniges Vorhofseptumaneurysma zurückzuführen waren. Platz zwei beim Gefäßrisiko besetzten die Makroangiopathien, mit 65,8 Ereignissen pro 1000 Patientenjahre. Relevante Stenosen der hirnversorgenden Gefäße waren jedoch mit dem höchsten Risiko für einen weiteren Insult belastet (38 pro 1000 Personenjahre). Am geringsten war das vaskuläre Risiko bei Patienten mit einer Vertebralisdissektion (2 pro 1000 Patientenjahre).

Venöse Ereignisse waren über 15 Jahre hinweg am ehesten zu beobachten, wenn dem Schlaganfall eine Hochrisiko-Kardioembolie oder eine andere seltene Ursache als eine Dissektion zugrunde lag (5 bzw. 4 Ereignisse pro 1000 Personenjahre). Von PAVK-Komplikationen waren am häufigsten Patienten mit lakunären Infarkten betroffen (15 pro 1000 Patientenjahre).

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