Ärzte Zeitung, 30.03.2007

Bei Phlebitiden ist die Lokalisation für Therapie entscheidend

Angiologe: Thrombophlebitis sollte differenziert betrachtet werden / Hohes Risiko für Lungenembolie bei aszendierender Saphena-Phlebitis

DRESDEN (ner). Thrombophlebitis ist nicht gleich Thrombophlebitis! Eine klare Trennung der Krankheitsbilder, die unter diesem Begriff zusammen gefasst werden, fordert der Dresdner Angiologe Professor Sebastian Schellong. Sie entstünden auf unterschiedliche Weise, und die Therapien müssten unterschiedlich sein.

Der Begriff Thrombophlebitis sei "ein großer Sammeltopf" von Diagnosen, sagte Schellong beim Jahreskongress der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung in Dresden. Unterschieden werden müsse zum Beispiel die Thrombophlebitis bei Varikosis von der gefährlichen aszendierenden Saphena-Phlebitis, die mit oder ohne Varikosis auftreten kann.

"Wenn jemand mit einer Thrombophlebitis am Bein kommt, muss man sich fragen: Ist diese Entzündung auf Varizen beschränkt? Oder ist das eine Thrombose mit Entzündung in der Vena saphena parva oder magna, die einen aszendierenden Verlauf nimmt?", so Schellong bei einem von CSL Behring und Leo Pharma unterstützten Symposium. Die Prognosen seien sehr verschieden.

Die aszendierende Saphena-Phlebitis könne, wenn sie das tiefe Venensystem erreicht, dort "von einer Minute auf die andere" eine proximale Beinvenenthrombose auslösen, warnte Schellong. Es bestehe zudem die Gefahr einer Lungenembolie. Ob die aszendierende Saphena-Phlebitis das tiefe Venensystem erreicht hat, lässt sich mit Ultraschall feststellen.

Vorher genüge es nach Angaben von Schellong meist, zehn Tage lang mit einem niedermolekularen Heparin (NMH) zu behandeln. Bei den meisten Patienten sei der Befund dann rückläufig. Individuell könne man entscheiden, ob die NMH-Therapie noch verlängert werden müsse oder nicht. Gegebenenfalls müsse die Vena saphena chirurgisch entfernt werden.

Die Entzündung in einem Varizenkonvulut ist dagegen eine lokale Komplikation der Varikose. Sie kann lokal behandelt werden etwa durch Kühlung, Kompression. Eine Stichinzision sei zwar zunächst sehr schmerzhaft, nach Entfernung des Thrombus würden die Patienten aber schnell schmerzfrei.

Zudem nannte Schellong die lokal begrenzte Venenentzündung an Punktionsstellen und die Phlebitis migrans et saltans. Letztere sei per se nicht therapiebedürftig, bedürfe aber einer genauen Diagnostik, da sie Symptom eines Malignoms, einer Vaskulitis oder einer Endangitis obliterans sein könne.

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