Ärzte Zeitung, 19.09.2007

Antikoagulation ohne Thrombozytopenie-Risiko

Bei Faktor-Xa-Hemmer Fondaparinux erübrigen sich Laborkontrollen zur Früherkennung heparininduzierter Thrombozytopenie vom Typ II (HIT II)

MÜNCHEN (wst). Der selektive Faktor-Xa-Hemmer Fondaparinux ist praktisch frei von immunologisch bedingter heparininduzierter Trombozytopenie vom Typ II (HIT II). Laborkontrollen zur Früherkennung erübrigen sich daher.

Besonders bei Patienten mit HIT II in der Anamnese oder auch bei kutaner Heparinallergie vom Typ IV sei Fondaparinux daher eine gute Alternative zu niedermolekularen Heparinen, sagte Professor Edelgard Lindhoff-Last. Unbehandelt stürben etwa 30 Prozent der HIT-II-Patienten an dieser Komplikation. Das hat die Gefäß-Spezialistin aus Frankfurt am Main bei einer Angiologie-Tagung in München gesagt.

Da 80 Prozent dieser Komplikationen zwischen dem fünften und 15. Tag einer Antikoagulationstherapie mit Heparin auftreten, sind besonders in dieser Zeit regelmäßige Blutbildkontrollen notwendig, um eine sich entwickelnde HIT frühzeitig erkennen und gegensteuern zu können. Darauf hat Lindhoff-Last bei einem vom Unternehmen GlaxoSmithKline unterstützten Symposium hingewiesen.

Je niedriger das Molekulargewicht von Heparinen und heparinähnlichen Substanzen, desto niedriger ist das HIT-Risiko. Bei einer Antikoagulation mit Fondaparinux (Arixtra®) war trotz millionenfachen Einsatzes bis vor kurzem kein HIT-Ereignis aufgetreten. Und bei dem bekannt gewordenen einzigen Patienten mit dieser Komplikation während einer Therapie mit dem Faktor-Xa-Hemmer ist fraglich, ob die HIT wirklich durch Fondaparinux ausgelöst wurde, oder ob es nicht eine Spätfolge einer voran gegangenen Heparintherapie war, sagte Lindhoff-Last.

Doch selbst wenn Fondaparinux der Auslöser gewesen sei, läge das HIT-Risiko damit weit unter 0,001 Prozent. Die Empfehlung, bei der Behandlung mit Fondaparinux auf Blutbildkontrollen zu verzichten, könne damit guten Gewissens beibehalten werden, sagte Lindhoff-Last in Übereinstimmung mit anderen Kollegen.

STICHWORT

HIT II

Die Heparin-induzierte Thrombozytopenie vom Typ II (HIT II) ist ein durch Arzneimittel hervorgerufenes Syndrom, das mit einer Thrombozytopenie ind Thrombosen einhergeht. Sie können lebensbedrohend sein. Eine HIT II tritt in bis zu 5 Prozent der Fälle bei Patienten auf, die mit unfraktioniertem Heparin behandelt werden. Bei niedermolekularem Heparin sind es weniger als 1 Prozent. (eb)

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