Thrombose/Schlaganfall

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Ärzte Zeitung online, 03.12.2009

Deutscher Zukunftspreis für neue Anti-Thrombose-Tablette Xarelto®

BERLIN (dpa/gwa). Für Rivaroxaban (Xarelto®), ein neues Präparat gegen Thrombosen, haben Forscher der Bayer Schering Pharma AG aus Wuppertal den Deutschen Zukunftspreis erhalten. Bundespräsident Horst Köhler vergab die Auszeichnung am Mittwochabend in Berlin.

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Bundespräsident Horst Köhler (Mitte links) verleiht den Deutschen Zukunftspreis an die Forscher Dr. Elisabeth Perzborn (links) Dr. Frank Misselwitz (Mitte rechts) und Dr. Dagmar Kubitza (rechts).

Foto: dpa

Die Sieger im 13. bundesweiten Wettbewerb um die besten marktreifen Ideen aus den Technik-, Ingenieur- und Naturwissenschaften erhalten ein Preisgeld von 250 000 Euro.

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Blutproben: Der mit dem Zukunftspreis ausgezeichnete Wirkstoff Rivaroxaban hemmt die Aktivität des Faktor-Xa-Enzyms.

Foto: Pudenz/Deutscher Zukunftspreis

Jedes Jahr haben in Europa Millionen von Menschen Thrombosen. Folgen von Thrombosen wie Schlaganfälle oder Lungenembolien sind eine der häufigsten Todesursachen in Industrieländern. Die neue Tablette gilt als wirkungsvolle und unkomplizierte Therapie. Das Arzneimittel ist bislang in der EU zur Prophylaxe venöser Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach Hüft- oder Kniegelenksoperationen zugelassen.

"Damit haben wir wirklich nicht gerechnet", sagte der Arzt und Teamsprecher Dr. Frank Misselwitz. "Das ist ein erhebendes Gefühl." Siebeneinhalb Jahre seines Forscherlebens hat allein Misselwitz, Jahrgang 1956, in die Tablette gesteckt. Das Preisgeld wollen er und sein Team wieder in die Forschung stecken. Es soll jungen Kollegen mit guten Ideen weiterhelfen.

Bundespräsident Horst Köhler rief zur "Forschen gegen die Krise" auf

Das dürfte ganz im Sinn des Bundespräsidenten sein. In seiner Rede zum Zukunftspreis rief er zum "Forschen gegen die Krise" auf. Deutschland habe an Wettbewerbsfähigkeit verloren, sagte Köhler. Durch Forschung könne das Land wieder aufholen. Er mahnte, in diesem Punkt nicht locker zu lassen. "Das wäre Sparen am falschen Platz."

Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) gratulierte den Wuppertaler Forschern. "Eindrucksvoller kann man nicht beweisen, dass Investitionen in Forschung und Entwicklung sich auszahlen. Das ist ein i-Tüpfelchen auf der Erfolgsgeschichte von Bayer als Erfinderunternehmen", sagte er laut Mitteilung.

200 000 Substanzen wurden zunächst per Computer geprüft

Die Wuppertaler Ärzte und Biologen ließen für ihre Tabletten-Forschung 200 000 chemische Substanzen vom Computer prüfen - bis sie schließlich den Wirkstoff Rivaroxaban näher unter die Lupe nahmen. Er greift gezielt in die biochemischen Abläufe während der Blutgerinnung ein und wird auch vom Magen-Darm-Trakt gut vertragen. Heute steckt er in der neuen Tablette.

Für Patienten ist die Pharmaentwicklung aus Nordrhein-Westfalen von Vorteil. Gebräuchliche Medikamente, die Thrombosen verhindern, müssten gespritzt werden, berichtete Misselwitz. Es gibt zwar auch schon Tabletten. Doch sie erforderten bisher noch regelmäßige Patienten-Kontrollen, ergänzte er. Bei dem neu entwickelten Präparat sei das nicht mehr nötig. In den bisherigen Studien habe sich auch gezeigt, dass sich die Zahl der Thrombosen im Vergleich zum Spritzen halbierte.

2010 will Bayer Schering neue Zulassungen für Rivaroxaban beantragen. Zurzeit werden an 65 000 Patienten weitere Anwendungsgebiete getestet. In Zukunft soll die Pille zum Beispiel Schlaganfälle und Herzinfarkte bei Risikopatienten verhindern helfen.

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