Ärzte Zeitung, 12.08.2013

Kommentar zur Lungenembolie

Vorsicht vor dem Röhren-Reflex

Von Elke Oberhofer

Die Angst, den "stillen Killer" zu übersehen, ist groß: An den Folgen einer Lungenembolie sterben in Deutschland jährlich etwa 40.000 Patienten.

In Aufklärungskampagnen (gesponsert von Herstellern von Antikoagulanzien) ist die Rede von tragischen, da angeblich leicht vermeidbaren Todesfällen ("Mein Mann hätte nicht sterben müssen!").

Wer will sich da den Vorwurf eines Versäumnisses einhandeln, nur weil man ein leicht verfügbares Verfahren, die CT-Angiografie der Lunge, nicht eingesetzt hat? US-Autoren empfehlen im BMJ zu Recht, sich nicht durch Schreckensmeldungen zu sinnloser Überdiagnostik verleiten zu lassen.

Ein hämodynamisch stabiler Patient mit niedrigen Werten im Wells-Score muss nicht reflexhaft in die Röhre. Ein negativer D-Dimer-ELISA spricht ebenso gegen ein akut lebensbedrohliches Geschehen wie ein echokardiografischer Normalbefund.

Und ein Patient, bei dem der Ultraschall bereits eine Beinvenenthrombose aufgedeckt hat, muss ohnehin antikoaguliert werden; warum ihn also zusätzlich mit CT belasten?

Auch ein Zuviel an Diagnostik kann schaden: durch Strahlung, durch das Spritzen nephrotoxischer Kontrastmittel und durch eine unnötige, aber nebenwirkungsträchtige Therapie im Falle eines Zufallsbefunds.

Lesen Sie dazu auch:
V.a. Lungenembolie: Nicht reflexhaft zur CT!

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »