Ärzte Zeitung, 04.02.2005

Gute Erfahrungen mit endovasaler Lasertherapie bei Stammvarikose

84 Prozent der Patienten sind nach einem Jahr beschwerdefrei / Studie an der Charité

BERLIN (gvg). Die endovasale Lasertherapie ist bei Patienten mit Stammvarikosis ein sicheres und effektives Verfahren. Das belegt eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Radiologie der Charité Berlin. Der größte Vorteil der Methode: Die Betroffenen können sofort wieder aufstehen.

Stamminsuffizienz der Vena saphena magna. Im Ultraschall ist vor der Lasertherapie ein rotes Flußsignal zu sehen. Fotos (3): Institut für Radiologie der Charité

So sieht die weniger als 1 mm dünne Laserfaser aus. Am Faserende wird der Laserimpuls (Pfeil) freigesetzt.
Nach der Laserverödung läßt sich in der jetzt verschlossenen Krampfader kein Blutfluß mehr nachweisen.

In die von Dr. Claudia Klüner und ihren Kollegen erstellte Metaanalyse, die demnächst in der Fachzeitschrift für Röntgenfortschritt publiziert wird, gingen Erfahrungen mit über 1000 Patienten aus mehreren Kliniken ein. Bei dem neuen Verfahren der Laserobliteration wird die Vene von distal punktiert. Der Katheter mit Lasersonde wird dann bis etwa 2 cm an die Venenmündung der Vena saphena magna oder parva herangeschoben und unter kontinuierlicher Laserbestrahlung langsam wieder zurückgezogen. Dabei bilden sich Hitzeblasen, und die Vene thrombosiert (wie berichtet).

Die Metaanalyse ergab: Im Mittel waren am Tag nach dem Eingriff im Ultraschall 94 Prozent der gelaserten Venen verschlossen. Nach einem Jahr waren 84 Prozent der Patienten komplett beschwerdefrei. Bei etwa jedem zwölften Patienten kam es zu einer Wiedereröffnung zuvor verschlossener Venen.

"Das ist in etwa die Größenordnung, in der es auch nach Operationen zu Rezidiven kommt", sagte Klüner im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Rezidive nach Operationen entstünden wahrscheinlich, weil die Entfernung des Venenstamms mit und ohne Crossektomie einen Reiz für eine Gefäßneubildung setze, so Klüner.

Die Komplikationsrate lag mit einem bis drei Prozent deutlich niedriger als bei chirurgischen Eingriffen. Vor allem handelte es sich um leichte Hitzeschäden an der Haut. Um die zu verhindern, erhalten die Patienten bei der endovasalen Lasertherapie eine adrenalinhaltige Lokalanästhesie entlang den Venen gespritzt. Das führt dazu, daß das Gefäß von der Haut weg "in die Tiefe wandert".

Das Prinzip der Lasertherapie besteht in einer Thrombosierung der Venen. "Es ist deswegen prinzipiell möglich, daß Thrombosen entstehen, die die tiefen Venen erreichen", so Klüner zur "Ärzte Zeitung". In der Fachliteratur sei das bisher aber nur ein einziges Mal beschrieben worden, und zwar bei einem Krebspatienten mit erhöhter Blutgerinnungsneigung. "Bei diesen Patienten wenden wir das Verfahren deswegen nicht an", betonte Klüner.

Zur Prophylaxe erhalten die Patienten nach dem Eingriff Thrombosestrümpfe und müssen sich fünf Tage lang niedermolekulare Heparine applizieren. Sie sollen außerdem sofort aufstehen und können bereits am nächsten Tag ihren gewohnten Tätigkeiten wieder nachgehen.

Anders als die Varizen-Operation ist die endovasale Lasertherapie keine Kassenleistung. Bezahlt werden müssen je nach Anbieter 1000 bis 3000 Euro.

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