Ärzte Zeitung, 29.09.2008

Jugularvenenthrombose - da kann auch eine maligne Erkrankung die Ursache sein

Die häufigsten Ursachen für eine Jugularvenenthrombose sind paraneoplastische Syndrome, vor allem bei Pankreas-, Bronchial-, Magen- und Ovarial-Ca.

Von Thomas Meißner

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CT-Bild des Halses bei einem 46-Jährigen mit Jugularvenenthrombose. Erkennbar ist der Füllungsdefekt der Vena jugularis interna (Pfeil).

Foto: Springer Medizin Verlag

Die Jugularvenenthrombose ist potenziell lebensbedrohlich und sollte Anlass für eine Tumorsuche sein, gerade wenn sie scheinbar spontan auftritt. Kollegen aus Mannheim beschreiben den Fall eines 47-jährigen Mannes mit Schluckbeschwerden, bei dem sich schließlich ein Magenkarzinom fand.

Zum Zeitpunkt der Vorstellung des Patienten in der Universitäts-HNO-Klinik in Mannheim bestanden die Schluckbeschwerden seit einer Woche, wie Dr. Jens Stern-Sträter und seine Kollegen berichten (HNO 56, 2008, 325). Zusätzlich war die linke Halsseite erheblich geschwollen. Werte für CRP und D-Dimere im Blut waren erhöht

Das Blutbild ergab eine deutliche Leukozytose (16,0 x 109/l), der Wert des C-reaktiven Proteins war mit 82 mg/l erhöht, ebenso die D-Dimere mit 4,7 mg/l. Mit der Sonografie der Halsorgane war eine langstreckige Stenose der Vena jugularis interna links nachweisbar, die Computertomografie bestätigte die Diagnose der Jugularvenenthrombose. Die Gerinnungsdiagnostik war unauffällig.

Zunächst leiteten Stern-Sträter und seine Kollegen die Vollheparinisierung mit niedermolekularem Heparin sowie eine intravenöse Antibiose ein. Bei der Tumorsuche fanden sie ein Adenokarzinom der Kardia vom Siegelringtyp. Dementsprechend wurde der Patient zur Gastrektomie mit transhiataler Ösophagusresektion an die chirurgische Klinik überwiesen, wo der Eingriff erfolgte. Der Patient starb später an den Folgen der Grunderkrankung.

Die Mortalitätsrate nach drei Monaten liegt bei 33 Prozent

Die Mannheimer HNO-Ärzte machen darauf aufmerksam, dass maligne Erkrankungen zu den häufigen Ursachen der Jugularvenenthrombose (JVT) gehören. 74 Prozent der Jugularvenenthrombosen gehen auf paraneoplastische Syndrome zurück, vor allem bei Karzinomen des Pankreas, der Bronchien, des Magens und der Ovarien. Sekundär lassen sich oft erhöhte Werte von Faktor VIII, Fibrinogen sowie hohe Thrombozytenspiegel nachweisen.

Andere Ursachen der JVT sind zentralvenöse Katheter, die funktionelle "neck dissection" oder Drogenabusus, bei dem die Patienten wiederholt in die Vena jugularis injizierten. Die Mortalitätsraten nach einer JVT liegen bei 33 Prozent nach drei Monaten und 42 Prozent nach einem Jahr.

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Sonografie der Thrombose in einer vergrößerten Aufnahme.

Foto: Springer Medizin Verlag

Meist verlaufen die JVT asymptomatisch. Wenn klinische Symptome auftreten, dann sind sie nicht immer eindeutig: schmerzhafte Halsschwellung, eventuell begleitet von Stridor, Dysphonie sowie Dysphagie, manchmal Fieber, vergrößerte Hals-Lymphknoten oder eine Schwellung der oberen Extremität. Schwere Komplikationen sind zum Beispiel Sepsis, Lungenembolie oder funktionelle Ausfälle des Zentralnervensystems.

Für die Therapie gibt es keine internationalen Standards. Die Mannheimer Kollegen empfehlen zunächst die Sepsis-Prophylaxe mit intravenösen Antibiotika und die Vollheparinisierung für zehn Tage. Besteht ein Abszess oder streuen septische Emboli, ist ein chirurgisches Vorgehen angezeigt.

Poststationär sollten im ersten halben Jahr vierwöchentliche Kontrolluntersuchungen vorgenommen werden. Empfohlen wird zudem die Antikoagulation mit Cumarinen oder mit niedermolekularen Heparinen für drei bis sechs Monate.

Lesen Sie dazu auch das Interview:
"Man muss aktiv nach einem Malignom fanden"

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