Ärzte Zeitung online, 31.10.2008

Immer mehr Jugendliche schwerhörig - Industrie soll einschreiten

MANNHEIM (dpa). Hals-Nasen-Ohrenärzte schlagen Alarm: Immer mehr Jugendliche in Deutschland sind schwerhörig. In der Altersgruppe von 16 bis 20 Jahren weise bereits etwa jeder Fünfte Auffälligkeiten im Innenohr auf, teilte der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen- Ohrenärzte (HNO) in Mannheim mit.

"Die sogenannte Altersschwerhörigkeit beginnt heute schon mit 20 Jahren", sagte HNO- Experte Gerhard Hesse. Eine entscheidende Rolle spiele, dass sich die Jugend über MP3-Player "regelrecht mit Lärm bedröhne".

Der Verband hat die Musikbranche zu einer Zusammenarbeit für einen besseren Gesundheitsschutz aufgefordert. Als "Meinungsführer dieser Gattung" soll das Unternehmen Apple für die Kooperation gewonnen werden, dessen iPod bei den Jugendlichen besonders begehrt ist.

"Wir brauchen die Unterstützung und Verantwortung der Industrie", sagte Verbands-Chef Dirk Heinrich. Die Hersteller müssten ihre Kunden deutlich darauf hinweisen, von welcher Lautstärke an sie sich einer Gefahr aussetzten. Eine automatische Sperre in den Geräten wäre wünschenswert. Dies stoße allerdings auf Widerstand. Der maximale Schalldruckpegel bei tragbaren Audiogeräten ist derzeit nach EU-Norm auf 100 Dezibel beschränkt. Laut HNO-Verband sind jedoch bereits 85 Dezibel kritisch. Bei der Arbeit muss bei dieser Lautstärke ein Gehörschutz getragen werden.

Das Thema Schwerhörigkeit wird nach Auffassung der Mediziner in Deutschland noch deutlich unterschätzt. Derzeit seien bereits 15 Millionen Menschen daran erkrankt, aber nur 1,5 bis 2 Millionen Menschen trügen ein Hörgerät. Völlig unzureichend ist laut Verband bislang die Früherkennung bei Säuglingen. Zwar sei endlich die Einführung eines Hörscreenings für Neugeborene erreicht worden durch einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA). Die Finanzierung - 17,50 Euro pro Screening - sei jedoch nicht geklärt. "Die Politik hat ihre Hausaufgaben gemacht, jetzt sind die Kostenträger dran", forderte Verbandschef Heinrich.

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