Ärzte Zeitung online, 09.01.2009

Simulator für HNO-Operationen jetzt in Braunschweig in Betrieb genommen

BRAUNSCHWEIG (eb). Was für Piloten der Flugsimulator, ist für Assistenzärzte der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik Braunschweig der jetzt in Betrieb genommene Op-Simulator. An ihm können komplexe und schwierige Operationen geübt werden. Doch nicht nur Assistenzärzte, sondern auch erfahrene Operateure profitieren von dem Gerät: Sie nutzen es zur Vorbereitung einer Op und können komplizierte Eingriffe gegebenenfalls simulieren.

Simulator für HNO-Operationen jetzt in Braunschweig in Betrieb genommen

Professor Heinz-Georg Schroeder, Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, lässt die erste Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Städtischen Klinikums Christine Wolnik am neuen Op-Simulator üben.

Foto: Klinikum Braunschweig / Scheibe

Zu Ausbildungszwecken sind auf dem Simulator Operationen auf unterschiedlich hohem Niveau gespeichert. So können sich Assistenzärzte in einem abgestuften Lernmodell mit verschiedenen Operationen auseinander setzen. Erst danach dürfen sie, unter der Aufsicht erfahrener Ärzte, Patienten operieren. Bevor der Simulator entwickelt wurde, mussten Ärzte in der Ausbildung mit Modellen aus Gips üben, was aber bei weitem nicht so realistisch war.

Zur Op-Vorbereitung kann das Gerät mit echten CT-Daten eines Patienten gespeist werden. Der Arzt kann sich dann intensiv mit den speziellen anatomischen Gegebenheiten des Patienten vertraut machen und die notwendige Operation schon einen Tag vorher üben.

Für beide Einsatzbereiche ist es ein großer Vorteil, dass die Simulation so realitätsnah ist. Durch eine spezielle Brille erscheint das Operationsfeld dreidimensional. Außerdem bekommt der Anwender auch eine haptische Rückkoppelung. Das bedeutet, dass das Bohren im virtuellen Operationsfeld für den Nutzer tatsächlich fühlbar ist und der Eindruck entsteht, wirklich an der betreffenden Stelle zu operieren.

Auf der Benutzeroberfläche können außerdem Risikoorgane wie Gehörknöchelchen oder Blutgefäße besonders hervorgehoben werden.

Solche Simulationsverfahren sind besonders in der Hals-, Nasen- und Ohrenmedizin sinnvoll, weil die Organe sehr klein sind und daher große Anforderungen an das handwerkliche Können und das Fingerspitzengefühl des Operateurs stellen. Die beiden größten Einsatzgebiete des Gerätes sind Operationen im Mittelohr und der Nasennebenhöhlen.

Denn zum Beispiel die Gehörknöchelchen im Mittelohr sind extrem leicht und klein: Hammer und Amboss wiegen nur 23 und 27 Mikrogramm (ein Mikrogramm entspricht 1/1 000 000 Gramm), der Steigbügel wiegt nur 2,5 mg.

Großes Fingerspitzengefühl brauch man auch bei Operationen im Bereich der Kiefer-, Stirn und Keilbeinhöhlen sowie der Siebbeinzellen. Operationen in diesem Bereich werden in der Regel mit mikrochirurgischen Instrumenten durch die Nasenlöcher ausgeführt.

Der Simulator ist kaum größer als ein Computer und ist deshalb praktisch in der Handhabung. Das 46 000 Euro teure Gerät wurde gemeinsam vom Verein der Freunde und Förderer des Klinikums und dem Klinikum angeschafft. 31 000 Euro davon hat der Förderverein übernommen.

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