Ärzte Zeitung online, 12.02.2009

Taube Menschen beim Arzt: Gut zugehört!

MAINZ (eb). Ein medizinischer Notfall ist oftmals schon bedrohlich genug - für gehörlose Menschen aber kann er schnell lebensgefährlich enden. Viele können sich verbal nicht richtig ausdrücken und Gebärdendolmetscher sind oft nicht zur Stelle. Im Umgang mit tauben Menschen wird medizinisches Personal außerdem nur selten geschult. Eine Studie der Universität Mainz will nun den Status quo dieser Situation aufdecken - mit einer Umfrage in Gebärdensprache.

Selbst in der normalen medizinischen Versorgung sind Gehörlose schlechter gestellt, meint Professor Eva Münster. Diese Gruppe Menschen bedürfe besonderer sozialmedizinischer Aufmerksamkeit. Münster moniert das fehlende Interesse der Wissenschaft an diesem Problem: "Es gibt nicht einmal quantitative sozialmedizinische Daten, wie es genau um die gesundheitliche und ärztliche Versorgung von Gehörlosen steht."

Dabei sind von dem Problem nicht wenige Menschen in Deutschland betroffen: Etwa 200 000 Menschen sind taub, rund eine Million ist hochgradig schwerhörig. Große Probleme mit der Sprache haben aber die 50 000 Gehörlosen, die bereits taub auf die Welt gekommen ist. Sie haben oft Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.

Für die Betroffenen kann schon der alltägliche Arztbesuch zum Problem werden. Denn nur wenige Ärzte beherrschen überhaupt die Gebärdensprache. Zwar können Gehörlose zu ihrem Arztbesuch einen Dolmetscher mitnehmen, den die Krankenkassen auch bezahlen. Doch gibt es dafür schlicht zu wenige qualifizierte Dolmetscher, glaubt die Expertin Eva Münster. "Besonders problematisch ist es, wenn es sich um hoch sensible Gespräche zwischen Arzt und Patient handelt, zu denen eher ungern Dritte hinzugezogen werden." Besonders schwierig sei außerdem ist die Situation in der Psychotherapie.

Mit ihrer Studie wollen die Mainzer Wissenschaftler deshalb den medizinischen Versorgungsstand unter Gehörlösen ermitteln. Dazu gehen sie einen neuen Weg und sprechen die Probanden mit Videos in Gebärdensprache an. Die Antworten können sie direkt am PC anklicken.

Die Mainzer interessieren sich vor allem für die Erkrankungen und die Informationen, die die Patienten erhalten haben. Außerdem wollen die Mainzer ermitteln, wie gut sich die Betroffenen mit den staatlichen Unterstützungen auskennen. Die Zufriedenheit mit Ärzten und Krankenhäusern steht aber genauso im Fokus.

www.gl-umfrage.de

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