Ärzte Zeitung online, 07.09.2009

Pilotstudie: Musiktherapie hilft bei Tinnitus-Rauschen

HEIDELBERG (eb). Ergebnisse einer Pilotstudie des Deutschen Zentrums für Musiktherapie belegen die Wirkung von Musiktherapie bei Tinnitus-Rauschen. Die Wirksamkeit der Therapie ist bereits für chronisch-tonalem Tinnitus wie Pfeifen oder Klingeln belegt.

Bei der Beschreibung der Tinnitus-Symptome werden grob die Kategorien tonal (etwa Pfeifen, Klingeln, Summen, Zirpen) und nicht-tonal (wie Rauschen, Brummen, Surren, Knacken, Knistern, Rumpeln) unterschieden. Beide Formen können aber auch gemeinsam auftreten. Allerdings wird trotz Erfassung der Klangqualität in den gängigen Behandlungsmodellen des subjektiven, chronischen Tinnitus keine Unterscheidung nach der Klangqualität gemacht.

In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Musiktherapie der SRH Hochschule Heidelberg wurde die "Musiktherapie bei chronisch-tonalem Tinnitus" nach dem Heidelberger Modell auf die Diagnose Tinnitus-Rauschen ausgeweitet. 21 der 23 untersuchten Probanden erreichten eine zuverlässige Reduktion der Symptome.

Die Behandlungsdauer beträgt nur 5 Tage. Dabei hören die Patienten in den Sitzungen ausgewählte Musik; außerdem singen sie auch zum Beispiel mit den Therapeuten.

Auch ein halbes Jahr nach der Behandlung blieb der Zustand stabil. Der Behandlungserfolg bleibt auch über einen Zeitraum von 6 Monaten stabil, weitere Langzeiterhebungen erfolgen noch.

Die Resultate der bildgebenden Verlaufsuntersuchungen zeigen neuroplastische Veränderungen der Gehirnstrukturen. Die aktive Auseinandersetzung mit dem missliebigen Ohrgeräusch bringt eine neuroplastische Veränderung in diesen Strukturen mit sich.

Psychophysiologische Messungen ergeben Anhaltspunkte für kardiovaskuläre Einflüsse auf das "Tinnitus-Rauschen". So hatten 43 Prozent der untersuchten Patienten erhöhte Blutdruckwerte. Die effektive Kontrolle von Puls- und Blutdruckschwankungen scheint eine wichtige Vorhersagekraft für die weitere Entwicklung der Tinnitussymptomatik zu haben: Je besser die Patienten ihren Kreislauf in der Abschlussmessung beeinflussen konnten, desto geringer war die Belastung der Probanden nach sechs Monaten.

Mehr Informationen für Patienten: Tel.: 0 62 26 / 79 63 101 oder per E-Mail unter ambulanz@fh-heidelberg.de

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