Ärzte Zeitung, 25.11.2009

Ein Gichttumor, der sich am Schildknorpel entwickelt hat

Gichttophi im Larynx- Bereich sind mehrfach beschrieben worden. Medikamentöse Therapie verspricht kaum Erfolg. Geraten wird daher zur chirurgischen Entfernung.

Von Thomas Meißner

Ein Gichttumor, der sich am Schildknorpel entwickelt hat

Präoperativer CT-Befund axial (links) und koronar dargestellt.

Foto: Ender Öztürk, HNO 5, 2009, 484, Springer Medizin Verlag

ESSEN. Gichttophi finden sich manchmal an ungewöhnlichen Orten. HNO-Ärzte aus Essen sind am Schildknorpel fündig geworden.

Dort bildete sich bei einem 46-jährigen Mann ein langsam größer werdender Tumor, der jedoch weder Luftnot noch Heiserkeit verursachte, berichten Dr. Ender Öztürk und seine Kollegen von der Universitätsklinik in Essen (HNO 57, 2009, 484). Beim Abtasten habe sich der Knoten nicht vom Schildknorpel abgrenzen lassen und war nicht verschieblich. Auf den computertomografischen Aufnahmen erkannten die HNO-Ärzte einen etwa 3,6 cm großen, glatt umrandeten und weitgehend verkalkten Prozess mit angedeutetem Tumorzapfen bis zum Pharynx.

Ein Gichttumor, der sich am Schildknorpel entwickelt hat

Charakteristische Veränderungen an den Fingergrundgelenken

Seit langem war bei dem Patienten eine Hyperurikämie mit Gichtknoten an beiden Händen bekannt. Der aktuell gemessene Harnsäurewert war mit 7,5 mg/dl leicht erhöht. Der Mann nahm außer Diclofenac keine Medikamente ein.

Die Kollegen entschlossen sich zur Operation und entfernten einen 27 g schweren und 4,7 mal 4,1 mal 2,6 cm großen, glatt begrenzten Tumor, der hauptsächlich aus kristalloidem Material mit ausgeprägten Fremkörperreaktionen bestand, so der Befund des Pathologen.

Gichttophi im Larynx-Bereich sind bereits mehrfach in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben worden. Betroffen sei meist das Krikoarytänoidgelenk zwischen Ring- und Stellknorpel, so Öztürk. Manchmal hätten die Patienten Heiserkeit oder Schluckstörungen. Die medikamentöse Behandlung sei kaum Erfolg versprechend, so dass die Essener Kollegen aus symptomatischen Gründen oder zur histologischen Abgrenzung von bösartigen Tumoren zur chirurgischen Entfernung raten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »