Ärzte Zeitung, 25.01.2010

Hintergrund

Ein kleiner Eingriff stärkt bei alten Menschen die Stimme

Schwache Stimme und Probleme beim Schlucken - auch bei alten Menschen gibt es dafür oft einfache Lösungen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Eine schwache Stimme können HNO-Ärzte durch einen kleinen Eingriff stärken, bei Schluckstörungen können dagegen Logopäden helfen. Darauf hat Professor Tamás Hacki von der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Klinik der Universität Regensburg hingewiesen.

Wie alle Organe, so unterliegen auch die Stimm- und Schluckorgane einem natürlichen Alterungsprozess. "Bei Menschen im höheren Alter beobachten wir neuronale, hormonelle und strukturelle Veränderungen, die bei einem Teil der Senioren zu Stimm- und Schluckstörungen führen können", sagte Hacki beim 34. Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer in Berlin.

Bis zu 30 Prozent der Älteren haben eine Stimmschwäche

Die Umstellungsprozesse führten unter anderem zu Muskelatrophie, zur Verknöcherung knorpeliger Strukturen und zur Degeneration von Bändern. In der Folge verringert sich die Beweglichkeit des Kehlkopfs, die Glottis schließt nicht mehr optimal, und der Schluckreflex verändert sich. Nicht selten führen diese Prozesse zu klinisch relevanten Problemen: "In unterschiedlichen Untersuchungen wurde bei 8 bis 30 Prozent der älteren Menschen eine Stimmschwäche nachgewiesen, die mit einem sozialen Rückzug einhergehen kann. Und 10 bis 30 Prozent der Senioren haben Schluckbeschwerden, die nicht nur eine adäquate Ernährung erschweren, sondern auch die Gefahr von Aspirationspneumonien bergen", sagte Hacki.

Tatenlos zusehen müssen Ärzte diesen Alterserscheinungen nicht. Gerade bei Problemen mit der Stimme könne durch vergleichsweise einfache ambulante Eingriffe einiges erreicht werden. Hacki nannte etwa die chirurgische Stimmlippenaugmentation. Damit kann aus einer heiseren, leisen Stimme, die durch mangelhaften Glottisverschluss verursacht wird und die Betroffenen beim Sprechen viel Kraft kostet, von heute auf morgen wieder eine deutlich kraftvollere Stimme werden.

Stimmlippenplastik erleichtert das Sprechen

"Bei dem Verfahren wird Hyaluronsäure oder Kollagen in die Stimmlippen injiziert, damit die Glottis wieder schließt", so Hacki. Das geschieht unter Lokalanästhesie in einem Eingriff, der üblicherweise keine 15 Minuten dauert. Gelingt es, durch diese Stimmlippenplastik die Glottis abzudichten, dann wird die Stimme kräftiger und das Sprechen weniger mühsam. "Der Eingriff führt außerdem dazu, dass die Patienten leichter produktiv abhusten können, was die Lebensqualität oft deutlich verbessert", so Hacki. Weil das Injektat über Monate bis Jahre hinweg langsam resorbiert wird, ist unter Umständen irgendwann ein Zweiteingriff nötig. Dieser sei aber problemlos machbar, so der Experte.

Schwieriger zu therapieren sind Patienten mit Schluckstörungen. Hilfreich ist in jedem Fall eine sehr genaue Diagnostik. Mit einem Endoskop kann der Schluckvorgang heute minutiös beobachtet werden. Entscheidend ist dabei festzustellen, bei welcher Art der Ernährung es bevorzugt zu einer so genannten stillen Aspiration kommt, also einem Übertritt von Nahrung in die Trachea, ohne dass dabei ein Hustenreflex ausgelöst wird. Das gelingt mit Hilfe von gefärbten Flüssigkeiten unterschiedlicher Konsistenz.

"Das Ergebnis ist, dass den Patienten oder den Pflegenden sehr genaue Empfehlungen gegeben werden können, bei welcher Art der Ernährung das Aspirationsrisiko am geringsten ist", so Hacki. Auf diese Weise könne die orale Ernährung optimiert und bei vielen Betroffenen eine Sondenernährung vermieden werden.

Um den Schluckvorgang zu verbessern, eigne sich außerdem eine logopädische Schlucktherapie. Hacki wies darauf hin, dass diese im Vergleich zu den Kosten von Sondennahrung oder zu den Therapiekosten bei einer Aspirationspneumonie eine sehr preiswerte Behandlungsoption sei. Dass sie effektiv ist, konnte in einer Studie gezeigt werden, bei der alte Menschen mit Sondenernährung zwei Monate lang eine logopädische Intensivtherapie erhalten hatten. "Danach kamen 55 Prozent der Teilnehmer ohne Sonde klar", so Hacki.

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