Ärzte Zeitung, 16.11.2010

HNO-Ärzte plädieren für "Hörscreening" durch Hausarzt

Bereits ein Drittel der über 65-jährigen Menschen in Deutschland hat Hörprobleme. Hausärzte können zur Früherkennung von Hörstörungen wesentlich beitragen.

HNO-Ärzte plädieren für "Hörscreening" durch Hausarzt

Hörscreening beim HNO-Arzt: Wesentlicher Beitrag zur Frühererkennung von Hörstörungen.

© hogreve / imago

MANNHEIM (bd). "Hören Sie noch gut?" Mit dieser schlichten Frage könnten Hausärzte ein "Hörscreening" bei ihren älteren Patienten vornehmen und diese gegebenenfalls an einen HNO-Arzt weiterleiten. Dafür plädierten Experten bei der 44. Fortbildungsveranstaltung für HNO-Ärzte in Mannheim.

"Schwerhörigkeit führt in die soziale Isolation, und in der Folge nimmt auch die Hirnleistung ab", warnte Professor Stefan Dazert aus Bochum. Zwischen 14 und 15 Millionen Menschen sind in Deutschland schwerhörig. Bereits ein Drittel der über 65-Jährigen leidet unter Hörproblemen.

Die eigentlichen Ursachen für die Presbyakusis seien noch weitgehend ungeklärt, deshalb seien vorbeugende Maßnahmen auch kaum möglich, sagte Dazert. Außer degenerativen Prozessen kämen am ehesten endogene und exogene Faktoren als mögliche Ursachen in Betracht, etwa familiäre Disposition, Fettstoffwechselstörungen und atherosklerotische Veränderungen sowie Lärmeinwirkung und Nebenwirkungen durch Medikamente und Noxen.

Von den Betroffenen würden Hörprobleme häufig negiert, meist seien es die Angehörigen, die darauf aufmerksam machten. Nach Angaben von Dazert sind die psychischen und sozialen Probleme im Zusammenhang mit Schwerhörigkeit noch weitgehend ungelöst.

Die Betroffenen empfänden Scham und fühlten sich stigmatisiert. Dies liege daran, dass Schwerhörigen oft Desinteresse und mangelnde Höflichkeit unterstellt werde. Somit suchten viele, diese behebbare Behinderung zu verbergen.

Eine rechtzeitige Verordnung von Hörgeraten sei eine wichtige Maßnahme, um psychische und soziale Folgen der Schwerhörigkeit möglichst gering zu halten. Obwohl es heute sehr kleine und sehr leistungsfähige Hörgeräte gebe, sei die Verordnung dennoch problematisch: "Die Betroffenen wollen sich nicht öffentlich brandmarken." Diese Bedenken auszuräumen, stelle hohe Anforderungen an HNO-Ärzte.

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