Ärzte Zeitung, 14.02.2012

Hustensaft verbessert Therapie bei Hörsturz

Steroide nach einem Hörsturz: Forschern aus Florida zufolge ist das nicht die optimale Therapie, denn es fehlt noch etwas: Hustensaft.

Hustensaft verbessert Therapie bei Hörsturz

Saft gegen den Hörsturz.

© aj / shutterstock.com

MIAMI (mut). Ärzte aus Miami in den USA haben Hinweise darauf gefunden, dass der Schleimlöser L-N-Acetylcystein auch beim Hörsturz von Nutzen ist (Acta Oto-Laryngologica 2012; online 21. Januar).

Die Ärzte verglichen in einer Analyse retrospektiv den Therapieerfolg bei 56 Patienten mit Hörsturz. Alle Patienten hatten einen Hörverlust von mindestens 30 dB in drei wichtigen Frequenzbereichen, alle wurden mit Dexamethason intratympanal sowie oral mit Prednison behandelt.

27 der Patienten erhielten zusätzlich dreimal täglich 1200 mg ACC für zwei Wochen. Bei der Analyse nach sechs Monaten schnitten die Patienten mit der ACC-Kombitherapie deutlich besser ab als diejenigen mit alleiniger Steroidbehandlung.

Das Hörvermögen hatte sich bei ihnen im Schnitt um 26 dB verbessert, 15 dB waren es mit konventioneller Behandlung. Eine Erholung des Hörvermögens um die Hälfte erreichten mit der ACC-Kombination allerdings mit 63 zu 35 Prozent fast doppelt so viele wie ohne ACC.

Schäden durch freie Radikale?

Ein Manko der Analyse ist allerdings, dass die Daten nur retrospektiv erhoben wurden und die Patientengruppen sehr unterschiedlich waren: In der ACC-Gruppe überwogen Patienten mit mildem und moderatem Hörverlust (25 bis 70 dB), dagegen hatten in der Gruppe mit alleiniger Steroidtherapie die meisten Patienten einen ausgeprägten bis sehr starken Hörverlust (über 70 dB).

Es dürften folglich größere randomisierte Studien nötig sein, um einen Vorteil der ACC-Kombination zu belegen.

Die Ärzte testeten ACC, weil die Thiol-Gruppe der Substanz als guter Radikalfänger gilt und zusätzlich die Glutathionsynthese stimuliert. Glutathion wiederum ist eines der wichtigsten zellulären Antioxidanzien.

Einer Hypothese zufolge lassen sich die Schäden nach einem Hörsturz auch auf übermäßige Produktion freier Radikale zurückführen.

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