Ärzte Zeitung, 29.05.2012

Was HNO-Ärzte von Kardiologen lernen können

In der Kardiologie ist die Ballondilatation seit Jahrzehnten etabliert. Aber auch bei Ohren-Erkrankungen kann sie helfen, wie das Beispiel der chronisch obstruktiven Tubenventilationsstörungen zeigt.

Von Andreas Fischer

Der Ballon lässt wieder Luft ins Mittelohr

Druckgefühl auf dem Ohr und dumpfes Hören - Symptome einer Tubenbelüftungsstörung.

© Lea Paterson/SPL/Agentur Focus

MAINZ. Zur Tubendilatation bei Druckabfall hilft der Ballon. Den nicht-invasiven Eingriff, der in kurzer Larynxmaskennarkose vorgenommen wird, hat Dr. Stefanie Schröder, vom Klinikum Bielefeld auf der Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde in Mainz vorgestellt.

Transnasal platziert der Operateur ein Tubenendoskop im Tubenwulst. Unter zusätzlicher Sichtkontrolle mit der starren 30 / 45°-Hopkins-Optik (um eventuell ein Umbiegen des Katheters zu erkennen) wird der Ballonkatheter mit einer Länge von 2 cm in die Tube eingeführt. Die Dilatation erfolgt dann mit einem Druck von 10 bar über zwei Minuten.

Schröder präsentierte Langzeitdaten von 199 erwachsenen Patienten im Durchschnittsalter von 52 Jahren. Ausgeschlossen waren Patienten, bei denen die Arteria carotis interna nicht knöchern bedeckt oder endoskopisch kein Tubeneingang sichtbar war. Patienten mit starken Septumdeviationen oder -leisten wurde zuvor eine entsprechende Operation empfohlen.

Signifikant besserer Tubenscore

Der Eingriff erfolgte in der Regel ab einem Tubenscore von 5. Dieser Score setzt sich zusammen aus der Wahrnehmung des "Knackens im Ohr" durch den Patienten beim Schlucken, dem Valsalva-Manöver sowie der Latenz zwischen Druckapplikation im Nasopharynx und der darauf folgenden Druckänderung im Gehörgang bei 30, 40 und 50 mbar.

Nach zwei Monaten wurden die Daten von 171 der insgesamt 300 erfolgten Dilatationen ausgewertet. Der Tubenscore hatte sich von präoperativ 2,27 auf postoperativ 5,33 signifikant gebessert. Die Kontrollen nach einem Jahr (52 von 123 Dilatationen) ergaben einen signifikanten Anstieg von 1,85 auf 6,10 Punkte.

Bei den Zwei-Jahres-Nachuntersuchungen waren 16 von 18 Dilatationen auswertbar; hier war ebenfalls ein deutlicher Anstieg von 1,06 auf 5,31 zu verzeichnen.

Als Nebenwirkungen zeigten sich vereinzelt leichte Epistaxis und bei zwei Patientinnen ein temporär verstärkter Tinnitus. Eine "klaffende Tube" als Komplikation war bei keiner Dilatation aufgetreten.

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