Ärzte Zeitung, 17.09.2012

Tonsillektomie

Blutungsgefahr durch Steroide?

Systemische Steroide zur Prävention von Übelkeit nach Tonsillektomie erhöhen nicht die Inzidenz, womöglich aber den Schweregrad von Blutungen. Nach Nausea-Prophylaxe werden so mehr Re-Interventionen nötig.

Tonsillektomie: Blutungsgefahr durch Steroide gegen Übelkeit?

Rachenuntersuchung: 70 Prozent der Kinder nach Tonsillektomie leiden unter Übelkeit und Erbrechen.

© photos.com

QUéBEC (rb). Zur Sicherheit von Steroiden nach Tonsillektomie haben kanadische Wissenschaftler jetzt eine Metaanalyse randomisiert-kontrollierter Studien vorgelegt.

Die Forscher fischten 29 Studien mit Daten von knapp 2700 Patienten aus den einschlägigen Datenpools ((BMJ 2012; online 28. August.

Die Analyse der Resultate ließ erkennen, dass sich die Häufigkeit von Blutungen nach einer Tonsillektomie nicht signifikant veränderte, wenn zur Nausea-Prophylaxe systemische Steroide verabreicht worden waren.

Allerdings stieg die Rate von erneuten Operationen aufgrund von Blutungskomplikationen deutlich an. So mussten drei Prozent der mit Steroiden behandelten, aber nur 1,5 Prozent der Patienten ohne Steroidtherapie erneut in den OP gebracht werden.

Dies könnte nach Ansicht der Autoren daran liegen, dass nach Steroidgabe im Vergleich schwerere Blutungen auftreten.

Besonders galt dies laut den Resultaten der Metaanalyse für Kinder. Angaben in der Literatur zufolge leiden mehr als 70 Prozent der Kinder nach Tonsillektomie mit oder ohne Adenoidektomie unter postoperativem Erbrechen.

Systemische Steroide haben sich als effektive Prophylaxe mit ebenso guter Wirkung wie Setrone erwiesen.

Einige Fachgesellschaften, etwa die American Academy of Otolaryngology - Head and Neck Surgery oder die Society for Ambulatory Anesthesia, raten deshalb in ihren Leitlinien zur intraoperativen Gabe von Dexamethason.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »