Donnerstag, 18. September 2014
Ärzte Zeitung online, 25.01.2013

Tonsillektomie

Ringer-Laktat reduziert Brechreiz

Emesis nach Tonsillektomie reduzieren - und das ohne Medikamente? Chilenische Anästhesisten haben es versucht.

Ringer-Laktat reduziert Brechreiz nach

Aufgeklärt - auch über Brechreiz?

© teka77 / fotolia.com

SANTIAGO. Postoperatives Erbrechen bei Kindern, denen die Gaumenmandeln entfernt wurden, lässt sich auch ohne Medikamente reduzieren - durch vermehrte Flüssigkeitszufuhr während der Op. Damit allein sollte man es jedoch nicht bewenden lassen.

Postoperatives Erbrechen gehört zu den häufigsten Komplikationen der Tonsillektomie. Ohne entsprechende Prophylaxe sind bis zu 70 Prozent der Patienten davon betroffen.

Aber auch mit Antiemetika lässt sich diese Komplikation nicht ganz verhindern, dazu kommen die Nebenwirkungen der Medikamente wie Agitiertheit, Bradykardie, Benommenheit oder extrapyramidale Symptome.

Anästhesisten der Universität Santiago de Chile haben deswegen nach einer Alternative gesucht und den Nutzen einer größeren intraoperativen Flüssigkeitsgabe getestet.

Bisher ist diese Methode vor allem in Studien mit erwachsenen Patienten mit anderen Op-Indikationen angewendet worden, mit allerdings wechselndem Erfolg.

An der chilenischen Studie waren 100 Kinder im Alter zwischen einem Jahr und zwölf Jahren beteiligt, die einer Tonsillektomie mit oder ohne Adenoidektomie unterzogen wurden (Br J Anaesth 2012; online 19. Dezember).

Die Vollnarkose wurde bei allen Kindern in derselben Weise eingeleitet und aufrechterhalten, allerdings wurde dabei nach dem Zufallsprinzip jeweils 50 Kindern 10 ml/kg-1/h-1 beziehungsweise 30 ml/kg-1/h-1 Ringer-Laktat-Lösung infundiert. Auf eine Prophylaxe mit Antiemetika wurde ganz verzichtet.

Hypovolämie-Hypothese

Tatsächlich bewirkte die stärkere Hydrierung einen Rückgang von Erbrechen oder Würgen in den ersten 24 Stunden nach dem Eingriff. Allerdings waren immer noch 62 Prozent der Kinder betroffen - im Vergleich zu 82 Prozent in der Gruppe mit geringerer intraoperativer Flüssigkeitszufuhr.

Auch nach Abgleich anderer Risikofaktoren, etwa postoperative Opioidanwendung, Alter, Gewicht, hatten die Kinder mit geringerer Volumengabe ein deutlich erhöhtes Risiko für postoperatives Erbrechen (Odds Ratio 2,92).

"Unsere Ergebnisse stützen die Verwendung von 30 ml/kg-1/h-1 Ringer-Laktat-Lösung während der Tonsillektomie, um das Risiko für postoperatives Erbrechen zu senken", schreiben die Studienautoren um María F. Elgueta.

Sie räumen jedoch ein, dass die vermehrte Flüssigkeitszufuhr als alleinige antiemetische Strategie nicht ausreichend ist.

Wieso das zusätzliche Volumen vor Erbrechen schützt, ist unklar. Es gibt Hinweise, dass die Schmerzperzeption und dadurch der postoperative Opioidbedarf gemindert werden. Wahrscheinlicher ist laut Elgueta et al. aber, dass eine durch die Nüchternheit bedingte subklinische Hypovolämie beseitigt wird.

Eine Hypovolämie könnte über eine Darmischämie und den resultierenden Anstieg des Serotoninspiegels das postoperative Erbrechen fördern. (bs)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Gastbeitrag: Diese Rechte und Pflichten haben Ärzte im Ebola-Einsatz

Auch deutsche Ärzte helfen beim Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika. Dabei unterliegen die Mediziner im Hilfseinsatz nicht nur der Berufsordnung ihrer Kammer. Im Krisengebiet gelten einige Besonderheiten. mehr »

Prävention: So lassen sich neuerliche Schlaganfälle verhindern

Antihypertensiva, Lipidsenker, Plättchen­hemmer - das gehört zum Standardrepertoire, wenn es darum geht, Schlaganfall-Patienten einen neuerlichen Infarkt zu ersparen. Doch jetzt gibt es neue Empfehlungen. Auf der Neurowoche ist ein Sechs-Punkte-Präventionsplan vorgestellt worden. mehr »

Arzneiausgaben 2013: Rheuma treibt die Kosten hoch

Die Herstellerrabatte bescherten 2013 den Krankenkassen satte Einsparungen von knapp sechs Milliarden Euro. Der neue Arzneimittel-Atlas zeigt außerdem: Die Ärzte impfen zurückhaltend. mehr »