Ärzte Zeitung, 26.02.2008

Wenig Haare - erhöhtes Risiko für Übergewicht

Eine Region auf Chromosom 3 ist offenbar nicht nur bei Alopezie, sondern auch bei Adipositas von Bedeutung

BONN/DÜSSELDORF (eb). Übergewicht und Haarausfall - das eine hat auf den ersten Blick wenig mit dem anderen zu tun. Doch Forscher aus Bonn und Düsseldorf haben jetzt auf Chromosom 3 eine Region entdeckt, die offenbar das Risiko für beides beeinflusst.

 Wenig Haare - erhöhtes Risiko für Übergewicht

Das liegt häufig an den Genen: Alopezie bei einem jungen Mann.

Foto: imago

Die Ergebnisse der Haar-Genetik sind auch für die Herzinfarkt-Forschung interessant, berichten die Wissenschaftler in der Märzausgabe des "American Journal of Human Genetics": "In der Literatur wird für Männer mit androgenetischer Alopezie ein erhöhtes Risiko für Hypertonie, Herzinfarkt und Übergewicht diskutiert", so Dr. Axel Hillmer vom Life&Brain-Zentrum an der Universität Bonn in einer Mitteilung der Universität.

Die Forscher haben 95 Familien untersucht, in denen jeweils mindestens zwei Söhne frühzeitigen Haarausfall hatten. "Dabei haben wir 14 Regionen identifiziert, in denen sich möglicherweise Erbanlagen für Haarwachstum und Haarausfall befinden", sagte Hillmer.

Jede dieser Regionen enthält jedoch noch mehrere Dutzend Gene - zu viele für eine detaillierte Analyse. Die Forscher konzentrieren sich bei ihren weiteren Untersuchungen daher auf ihren "heißesten Kandidaten": einen Abschnitt auf Chromosom 3, auf dem 34 Erbanlagen liegen. "Keines dieser Gene wird bislang mit der Biologie des Haares in Verbindung gebracht", sagt Dr. Roland Kruse von der Universitäts-Hautklinik Düsseldorf.

"Von einem Gen weiß man aber immerhin, dass es bei Alterungsprozessen von Bedeutung ist. Ein zweites bewirkt möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Übergewicht - ein Merkmal, das bei Männern mit androgenetischer Alopezie vermehrt auftritt. Diese beiden Gene erscheinen uns für weitere Studien daher am aussichtsreichsten."

Die Forscher wollen nun bei möglichst vielen Männern mit frühem Haarausfall diese beiden Gene genauer unter die Lupe nehmen. Stoßen sie dabei auf eine Genvariante, die bei Männern mit Alopezie vermehrt vorkommt, könnte diese eine Ursache für den Haarverlust sein.

Für die nächsten Schritte suchen die Ärzte Männer unter 39 Jahre mit Haarausfall sowie Männer über 60 Jahre mit vollem Haar.

Teilnehmer für die Studie können sich melden bei der Uni-Hautklinik Düsseldorf, Telefon: 02 11 / 8 11 63 60 E-Mail: Roland.Kruse@med.uni-duesseldorf.de.

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