Ärzte Zeitung online, 30.07.2009

Tagung zum therapeutischen Einsatz von Epo

LÜBECK(dpa). Rund 170 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland treffen sich an diesem Donnerstag in Lübeck zu einer Tagung zu dem als Dopingdroge bekannt gewordenen Hormon Erythropoetin (Epo). Die Konferenz findet seit 1988 alle drei Jahre in Lübeck statt und gilt als weltweit größte Tagung zu diesem Thema.

Dabei werde es aber vorrangig um den therapeutischen Einsatz von Epo gehen, sagte der Direktor des Instituts für Physiologie der Universität zu Lübeck, Wolfgang Jelkmann, am Mittwoch. Das Blutbildungshormon wird vor allem bei Patienten mit chronischer Nierenschwäche und nach einer Chemotherapie eingesetzt.

Das Hormon Erythropoetin wird bei gesunden Menschen in den Nieren produziert und fördert im Knochenmark die Bildung junger roter Blutzellen. Erythropoetin-Mangel führt zur Blutarmut und tritt vor allem bei chronisch nierenkranken Patienten und Tumorpatienten bei einer Chemotherapie auf. Sportler verwenden das Mittel zur verbotenen Steigerung der Ausdauer. Auch diese Seite von Epo wird nach Angaben Jelkmanns zur Sprache kommen. Geplant sind zwei Vorträge zu neuen Möglichkeiten, das sogenannte Blutdoping durch Epo oder Bluttransfusionen nachzuweisen.

"Doch über all den Dopingskandalen wird leider immer vergessen, dass Epo ein wichtiges Medikament ist", sagte Jelkmann, der die Tagung in Lübeck organisiert. So soll auf dem bis Sonnabend dauernden Kongress diskutiert werden, ob Epo auch bei Patienten mit Depressionen, Schizophrenien und akuten Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße eingesetzt werden kann. Jüngere Studien haben nach Angaben Jelkmanns eine zellschützende Wirkung von Epo belegt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »