Ärzte Zeitung, 19.08.2010

Östrogenfreie Pillen und Langzyklus haben Vorzüge

Folge 2

Östrogenfreie Pillen und Langzyklus haben Vorzüge

Frauen, die östrogenhaltige orale Kontrazeptiva nicht vertragen, müssen nicht auf die Pille verzichten. Für sie gibt es östrogenfreie Präparate. Ein neuer Ansatz zur Verbesserung der Verträglichkeit ist die kontinuierliche Einnahme von Kombipräparaten über mehrere Zyklen.

Von Ingrid Kreutz

Östrogenfreie Pillen und Langzyklus haben Vorzüge

Die Wahl der Pille sollte sich auch nach dem Thromboserisiko richten.

© bilderbox / fotolia.com

Am Anfang der oralen Kontrazeption standen die Kombinationspräparate mit Östrogen und Gestagen. Mittlerweile gibt es auch östrogenfreie Pillen zur hormonalen Kontrazeption. Das ist ein Vorteil vor allem für diejenigen Frauen, die östrogenhaltige Präparate nicht vertragen oder wegen Kontraindikationen nicht einnehmen dürfen. Sie sind aber auch eine Option für Frauen, die östrogenhaltige Präparate nicht anwenden möchten.

Die herkömmlichen östrogenfreien Kontrazeptiva - kurz Minipille genannt - enthalten als Wirkstoff lediglich ein Gestagen. Sie haben nur eine geringe östrogene Partialwirkung und bessern daher östrogenbedingte Zyklusbeschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Brustspannen und Ödeme. Außerdem sind sie nach der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) auch für Frauen mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie Rauchen geeignet. Und es ist davon auszugehen, dass reine Gestagen-Präparate wie die Minipille auch nicht das Risiko für venöse thromboembolische Ereignisse erhöhen (Der Gynäkologe 2009; 12: 949).

Die herkömmlichen Minipillen haben jedoch einen wesentlichen Nachteil: Bei Einnahmefehlern, die eine Toleranz von drei Stunden überschreiten, ist die kontrazeptive Sicherheit gefährdet. Der sogenannte Pearl-Index (Anzahl der Schwangerschaften pro 100 Frauen pro Jahr) schwankt bei der Minipille zwischen 0,5 und 3. Zum Vergleich: Mit Östrogen-Gestagen-Präparaten beträgt der Pearl-Index nur 0,1 bis 0,9.

Mehr Sicherheit beim Empfängnisschutz als herkömmliche Minipillen bietet das Produkt Cerazette®, das ebenfalls nur ein Gestagen enthält. Der Pearl-Index mit dieser Desogestrel-haltigen Pille beträgt 0,14. Der Grund für die hohe kontrazeptive Sicherheit liegt in der im Vergleich zu herkömmlichen Minipillen höheren Dosierung des Gestagens, wodurch die Ovulation zuverlässig gehemmt wird. Ermöglicht wird diese spezielle Dosierung durch die geringe androgene Aktivität von Desogestrel. Die kontrazeptive Sicherheit wird damit auch bei einer um zwölf Stunden verspäteten Einnahme nicht beeinträchtigt.

Eine Möglichkeit, die Verträglichkeit oraler Kombinationspräparate zu erhöhen, bieten verkürzte Einnahmepausen sowie die über mehrere Monate kontinuierliche Einnahme ohne Pause. Üblicherweise werden orale Kontrazeptiva über 21 Tage, jeweils beginnend am 1. Zyklustag, eingenommen mit einer anschließenden Pause von sieben Tagen. Für Frauen, die in der einnahmefreien Zeit aufgrund des Hormonentzugs Kopfschmerzen haben oder an Dysmenorrhoe, Hypermenorrhoe oder prämenstruellem Syndrom leiden, bietet sich die durchgehende Einnahme eines Kombinationspräparates an, und zwar über drei, sechs oder zwölf Monate (Langzyklus). So empfehlen es mittlerweile viele Experten. Bisher ist in Deutschland aber keine Pille explizit für die kontinuierliche Einnahme zugelassen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »