Ärzte Zeitung online, 09.11.2010

Schmerzmittel in der Schwangerschaft können Hodenanomalien fördern

KOPENHAGEN (ikr). Während der Schwangerschaft so wenig Medikation wie möglich - diese Empfehlung stützen aktuelle Studiendaten in puncto Schmerzmittel. Bei langfristiger Einnahme erhöhen Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Ibuprofen das Risiko für Fortpflanzungsstörungen beim männlichen Nachwuchs.

Schmerzmittel in der Schwangerschaft - das fördert Hodenanomalien

Schwangerschaft : Manche Schmerzmittel können spätere Fortpflanzungsstörungen männlicher Babys induzieren.

© Zdorov Kirill Vladimirovich / shutterstock.com

Eine Forschergruppe um Dr. Henrik Leffers von der Universität von Kopenhagen hat 491 Mütter per Telefoninterview nach der Einnahme von Nicht-Opioid-Analgetika während der Schwangerschaft befragt (Hum Reprod online). Dabei stellte sich heraus: 276 (56 Prozent) der Frauen gaben an, Nicht-Opioid-Analgetika während der Schwangerschaft eingenommen zu haben.

Aus den vorhandenen Daten haben die Forscher berechnet: 27 (64 Prozent) der insgesamt 42 Mütter von Söhnen mit angeborenem Kryptorchismus hatten angegeben, während der Schwangerschaft Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen angewendet zu haben. Das galt aber nur für knapp 56 Prozent der Mütter mit gesunden Knaben (249 versus 449).

Das Risiko für die Lageanomalie des Hodens war somit bei Schmerzmittelgebrauch um 43 Prozent erhöht. Signifikant erhöht, und zwar um das 7,6Fache ist das Kryptorchismus-Risiko der aktuellen Studie zufolge, wenn die Mutter während der Schwangerschaft mehr als ein Analgetikum verwendet hat. Auch der Zeitpunkt der Schmerzmittel-Einnahme ist offenbar relevant: Bei einer Behandlung im zweiten Schwangerschaftsdrittel war das angeborene Fehlbildungsrisiko 2,3fach, im ersten Trimenon 1,5fach erhöht. Und bei Frauen, die während der Schwangerschaft mindestens zwei Analgetika gleichzeitig verwendeten war das Risiko 16fach erhöht.

Bedeutsam ist auch die Dauer der Analgetika-Einnahme: Bei den Söhnen von Frauen, die mehr als zwei Wochen lang Schmerzmittel einnahmen, war das Risiko für einen Kryptorchismus signifikant um den Faktor 2,5 erhöht. Ibuprofen und ASS vervierfachten das Risiko im Schnitt, während Paracetamol es verdoppelte. Am höchsten, und zwar um den Faktor 22 erhöht, war das Risiko bei Frauen, die mehr als zwei Wochen lang mehrere Analgetika gleichzeitig verwendeten.

Kryptorchismus ist ein Risikofaktor für schlechte Spermienqualität und maligne Hodentumoren, geben die Forscher zu bedenken.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »