Ärzte Zeitung online, 12.10.2011

Die Pille beeinflusst Partnerwahl und Beziehungsglück

LONDON (dpa). Frauen, die sich eine langanhaltende Beziehung wünschen, sollten während der Partnersuche möglicherweise die Pille einnehmen. Das Verhütungsmittel hat nämlich einen Einfluss auf die Partnerwahl.

Die Pille beeinflusst Partnerwahl und Beziehungsglück

Ein Vorteil bei Frauen, die die "Pille" nehmen: Sie haben im Schnitt länger anhaltende Beziehungen als diejenigen, die sie nicht einnehmen.

© kzenon / shutterstock.com

Wie Wissenschaftler herausgefunden haben, trennen sich Frauen seltener von ihrem Freund, wenn sie bei Beginn der Beziehung mit der Pille verhütet haben.

Sie sind auch insgesamt glücklicher mit ihrer Partnerschaft als Frauen, die zur Zeit der Partnersuche gar nicht oder anders verhütet hatten, schreiben die Forscher in den "Proceedings of the Royal Society B".

"Pillen-Frauen" weniger zufrieden mit Attraktivität des Partners

Allerdings hat das Phänomen auch einen Nachteil: Die "Pillen-Frauen" sind weniger zufrieden mit ihrem Sexualleben und der Attraktivität ihres Partners.

Die Frage, ob die Einnahme der Pille einen Einfluss darauf hat, welchen Partner eine Frau zum Vater ihrer Kinder wählt, wird in Fachkreisen schon länger diskutiert.

Pille löscht hormonell bedingte Schwankungen im Verlauf des Zyklus

Die zugrundeliegende Theorie ist folgende: Normalerweise suchen Frauen eher Männer, deren genetische Merkmale in bestimmten Bereichen von ihren eigenen abweichen, da dies die Gesundheit des künftigen Nachwuchses verbessert.

Außerhalb der fruchtbaren Tage ziehen Frauen aber Männer vor, die besonders zuverlässig und treu sind - also gute Väter abgeben.

Die Pille löscht diese natürlichen, hormonell bedingten Schwankungen im Verlauf eines Zyklus. Das führt dazu, dass sich Frauen bei der Partnerwahl eher verhalten wie an ihren unfruchtbaren Tagen: Sie bevorzugen genetisch ähnlichere und zuverlässigere Männer.

Studie mit mehr als 2500 Müttern

Um zu überprüfen, ob diese Hypothese stimmt, befragten Craig Roberts von der University of Stirling in Großbritannien und seine Mitarbeiter mehr als 2500 Frauen, die mindestens ein Kind haben.

Die Forscher wollten wissen, wie zufrieden die Frauen mit ihrer Beziehung zum Kindsvater sind - im Allgemeinen und speziell im Sexualleben.

Ein Teil der Frauen hatte zu Beginn der Partnerschaft die Pille genommen, ein Teil nicht. Etwas mehr als 700 Frauen waren zum Zeitpunkt der Befragung geschieden oder lebten vom Kindsvater getrennt.

Das Ergebnis: Die "Pillen-Frauen" hatten insgesamt längere Beziehungen, und zwar im Schnitt um zwei Jahre. Sie trennten sich seltener und waren zufriedener mit der Unterstützung durch den Vater als die Frauen, die zu Beginn der Beziehung anders oder gar nicht verhütet hatten.

Im Bett lief es bei den "Pillen-Frauen" nicht so gut

Im Bett lief es bei den "Pillen-Frauen" hingegen nicht so gut: Je länger die Beziehung dauerte, umso unzufriedener waren sie mit ihrem Sexualleben.

Frauen, die kurz vor der Hochzeit stehen, sollten also womöglich für einige Monate auf die Einnahme der Pille verzichten, um sich zu vergewissern, dass sie sich tatsächlich von ihrem Partner angezogen fühlen, erklärte Craig Roberts in einer Pressemitteilung der Stirling Universität.

Andererseits basiere die Studie auf der Befragung hunderter Frauen - und nicht jede mache die Erfahrung, die statistisch häufig sei.

[13.10.2011, 14:04:03]
Dr. Horst Grünwoldt 
Partnerschaft, Sex und Pille
Das sind schon interessante, aber auch z.T. widersprüchliche Ergebnisse, die der britische Sex-Forscher Craig Roberts & Kollegen herausgefunden haben und zugleich fragwürdig interpretieren.
Als 68er junger Mann , der die sog. befreite Liebe damals als Student in (West)-Berlin und in London erfahren hat, bleibt mir folgendes in lebendiger Erinnerung:
Der häufige und auch wechselnde Geschlechtsverkehr (engl. intercourse, franz. fair l´amour) mit den schwangerschaftsverhindernden, hormonpillen-schluckenden Partnerinnen war eigentlich für beide oft nur eine sportliche Vollzugshandlung nach einem netten Abend zu zwein.
Die Geliebten haben sich i.d.R. mehr oder weniger "gefühlskalt" dem Akt hingegeben und hatten möglicherweise die geringste Freude daran.
Die physiologische Erklärung dafür ist natürlich auch hormoneller Art. Schließlich wird durch die progesteron-bestimmte Pille die "heiße Phase" des weiblichen Zyklus, -bei höheren Tieren auch die "Brunst" genannt-, ausgeschaltet.
Und das sind nun mal die fünf Tage um den (durch die Pille verhinderten) Eisprung herum, in denen jede normale Frau in den fruchtbaren Jahren das größte Empfängnis- und Liebesglück empfindet!
Dennoch dürfte die männliche Partnerwahl durch Frauen heute -wie schon immer- vor allem nicht sexistisch bestimmt sein, sondern vorrangig von sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Gegebenheiten abhängen. Demgegenüber sind die Auswahlkriterien des Mannes in der weiblichen Partnerwahl wohl in vielen Fällen eher einfacher gestrickt.
Möglicherweise auch wegen seines nicht hormonell unterdrückten, mehr oder weniger starken, unbewußten "Brunst-Verhaltens"?
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt aus Rostock
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »