Samstag, 22. November 2014
Ärzte Zeitung online, 25.01.2013

Starke Periode

Wann die "Spirale" besser als die "Pille" hilft

Mehr Lebensqualität bei Menorrhagien: Britische Kollegen wollten jetzt herausfinden, welche Methode am besten wirkt - und landen bei der Spirale.

Wann die "Spirale" besser als die "Pille" hilft

Bein Menorrhagien hilft die Spirale besser.

© Getty Images/iStockphoto

BIRMINGHAM. Fast jede dritte Frau im reproduktiven Alter leidet unter starken Periodenblutungen. Der Leidensdruck ist oft erheblich, auch wenn der Blutverlust in vielen Fällen unter 80 Milliliter pro Menstruationszyklus liegt, die Voraussetzung für die Diagnose "Menorrhagie" also streng genommen nicht erfüllt ist.

Gegen starke Monatsblutungen verschreiben Ärzte hierzulande oft ein orales Kontrazeptivum. Auch nicht hormonbasierte Therapien wie Tranexam- oder Mefenaminsäure kommen zum Einsatz.

Der "Spirale" stehen viele Frauen dagegen eher ablehnend gegenüber. Wie britische Wissenschaftler jetzt zeigen konnten, wäre aber gerade diese - besser noch als die "Pille" - geeignet, die Beschwerden zu lindern (N Engl J Med 2013; 368:128).

Die britischen Forscher hatten 571 Frauen im Alter zwischen 25 und 50 Jahren, die wegen ihrer starken Periode den Hausarzt aufgesucht hatten, in zwei Gruppen aufgeteilt: Die einen erhielten eine medikamentöse Therapie per os (entweder Tranexamsäure, Mefenaminsäure, ein kombiniertes Östrogen-Progesteron-Präparat oder Progesteron allein).

Die zweite Gruppe bekam ein Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem (kurz: IUS) eingesetzt. Frauen mit Kinderwunsch in den nächsten fünf Jahren oder mit einer bekannten Erkrankung der Gebärmutter waren ausgeschlossen.

In beiden Gruppen hatten sich die Beschwerden nach insgesamt zwei Jahren signifikant verbessert, nämlich um 21,4 (orale Therapie) bzw. 32,7 Punkte (IUS) im Menorrhagia-Multi-Attribute-Score (MMAS).

Dieser berücksichtigt verschiedene Bereiche des Alltags, darunter praktische Probleme, soziales Leben, Arbeit, Familie und Partnerschaft. Im Optimalfall werden 100 Punkte erreicht, das heißt, die Patientin fühlt sich in keiner Weise beeinträchtigt.

Im direkten Vergleich lagen die Frauen mit Spirale in allen Bereichen klar vorn. Der Unterschied zur Kontrollgruppe betrug nach zwei Jahren im Mittel 13,4 Punkte auf der MMAS-Skala.

Kein Wundermittel

Laut Studienautor Janesh Gupta bedeutet das einen klinisch bedeutsamen Vorteil in zwei oder drei der untersuchten Bereiche. So mussten die Betroffenen zum Beispiel nicht mehr häufig die Arbeit unterbrechen, sondern nur noch gelegentlich, oder sie hatten in Ihrer Familie jetzt praktisch keinen Stress mehr im Gegensatz zu "etwas Stress" vor Therapiebeginn.

Patientinnen, die etwas mehr Pfunde auf die Waage brachten, schienen deutlich mehr von dem Intrauterinsystem zu profitieren als schlanke Frauen.

Ab einem BMI von 25 lag der Vorteil gegenüber der oralen Therapie bei 16,7 Punkten im MMAS, wer darunter lag, verbesserte sich relativ gesehen nur wenig (5,4 Punkte).

Keinen Unterschied fanden die Forscher in puncto Sexleben: Hier hatten sich beide Gruppen signifikant verbessert, sowohl was die Lust am Sex als auch die Frequenz des Beischlafs betraf.

Die Teilnehmerinnen hatten sich aber auch gleich häufig zu einem chirurgischen Eingriff entschlossen, um die anhaltenden Beschwerden loszuwerden: Jeweils 6 Prozent ließen eine Hysterektomie durchführen. Einer Ausschabung unterzogen sich 4 Prozent in der IUS-Gruppe und 6 Prozent in der Gruppe mit oraler Therapie.

Ein Wundermittel gegen Menorrhagien ist die Spirale trotz aller Vorteile nicht: Etwa jede dritte Patientin ließ sich das System nach Ablauf der zwei Jahre entfernen. Die Gründe: mangelnde Wirksamkeit oder verlängerte Blutungen.

Die Abbruchrate in der konservativen Gruppe lag noch höher; man muss jedoch bedenken, dass das Absetzen der "Pille" keinen Arztbesuch erfordert.

Letztlich lag die Wahrscheinlichkeit, die verschriebene Therapie fortzusetzen, in der IUS-Gruppe nahezu doppelt so hoch wie bei den Frauen unter oraler Therapie (64 gegenüber 38 Prozent).

Die Hälfte aller Frauen, die die Pille oder ein anderes orales Präparat abgesetzt hatte, entschied sich anschließend für die Progesteronspirale. (EO)

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